NL Rück, I, C-0570m

"Sehr geehrter Herr Doktor!

Bestätige Ihnen bestdankend den Empfang von 3 Päckchen. Welche freudigen Überraschungen beim Auspacken über all die guten und nahrhaften Sachen die da zum Vorschein kamen. Ein solches Stück Speck habe ich jahrelang nicht mehr in der Hand gehabt, ob es wohl noch einmal wird, daß man kaufen kann was man begehrt? HO giebt es wohl alles aber die Preise sind nicht für uns bemessen. Man könnte meinen es sei Inflation. Ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank für all das Viele und Gute.

Die 2 kl. Instrumente werde ich wunschgemäß in Ordnung bringen, nur noch eine Frage: die Saiten sind nicht an den Wirbelchen befestigt sondern durch ein Loch gezogen und mittels Keil gehalten, also sind die Wirbel nur Atrappen, soll das so bleiben? Der Steg für die Stockgeige ist so gedacht, daß er beim Verdecken (also als Stock) bleiben kann. Die Stockgeigen welche ich bisher in der Hand hatte, waren mit richtigen Violinensteg versehen welcher beim Schließen umgelegt werden mußte. Auch hierüber hörte ich gern Ihre Anschauung. Dazu hätte ich gern die Wölbung der Decke und die Lage der F Löcher für die Stegfüßchen.

Heute war ich bei Kistner leider vergebens. Er hat wohl 20 Prozent gerettet, aber Schütt ist restlos verbrannt. Ich will noch antiquarisch versuchen.

Die Kisten für die Instrumente hab ich endlich und kann nun ans Verpacken gehen. Bei Bl. [Blüthner] werde ich mir nochmals Auskunft holen, wenn nicht, dann schicke ich sie wieder auf eigene Hand durch die ATEGE an Link.

Die Spinettsaiten habe ich aufgezogen und mache das eine spielbar um es mit den Silbergesponnen zu vergleichen, dann schicke ich die Kerndrähte zum Spinnen[.]

Es ist kein Stodart sondern ein Broadwood und habe Ihnen ja längst das Vorkaufsrecht zugesagt.

Ich danke Ihnen recht sehr für die Sachen welche Sie mir zugedacht haben. Man hat sich ja all die Jahre nichts Neues mehr schaffen können, so trage ich noch immer die Schuhe welche Sie mir einst schenkten, wenn das nicht so gute wären, würde das nicht möglich. gegenwärtig [sic] habe ich den braunen Anzug zum enger machen beim Schneider. Man ist ja so schlank geworden, daß nichts mehr paßt. Aber Wünsche kann ich doch nicht äußern, da Sie mir doch schon so viel der Guten tun.

Mein Urlaub ist nun auch beendet und mein Kölner Besuch wieder abgereist, es waren 2 lebhafte Wochen und man hat doch seine Freude wenn man sich einmal wiedersieht.

Mit herzlichen Grüßen // Ihr dankbarer // Otto Marx."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1949,08,21
Schreibort
Leipzig