NL Rück, I, C-0570m

"Lieber Herr Marx!

Ich komme auf Ihre Briefe vom 26. und 28. 1. 49. erst heute zurück, da mein Fräulein mehrere Wochen krank war. Wegen der Anlage des Lautenzugs frag ich bei Steglich an, wie er aus musikalischen Gründen darüber denkt und antworte Ihnen, sobald sein Bescheid vorliegt, ob und wie er evtl. geändert werden sollte. Die Technikermöglichkeiten bleiben dann Ihnen als alterfahrenen Fachmann überlassen.

Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen eine Reise mit Flugzeug jetzt im Winter wenig angenehm erscheint. So schlage ich vor, die Angelegenheit auf Frühjahr zu vertagen. Gepäck bräuchten Sie ja an sich sehr wenig, denn verpflegt werden Sie bei mir ohne Marken, Werkzeug ist in genügender Menge da und fehlendes ohne weiteres heute zu beschaffen und Wäsche kann innerhalb wenigen Tagen für Sie gewaschen werden, sodass Sie Ihr Gepäck auf ein Minimum reduzieren
könnten. Ein wenig Bedenken macht wir vorerst allerdings noch die Rückreisemöglichkeit. Hierüber will ich mit meinem Gewährsmann sprechen, sobald er anfangs März wieder hier ist.

Herr Scholz besucht seine Familie nächste Woche in Eisenberg und überbringt Ihnen Durchschlag dieser Zeilen, falls der Brief Sie nicht inzwischen erreicht haben sollte. Er möchte sich mit Ihnen unterhalten wegen des Baues einer weiteren Anton Walter-Mozartflügel-Kopie, für die eine Anfrage bei mir vorliegt. Sie warten mit Recht immer noch auf die Fotographie des Rastenbaus von Garser zum Anton Walter-Flügel gemacht. Ich konnte sie bisher nicht senden, da die Kisten mit den Platten in keinem Depot auffindbar war. Letzte Möglichkeit ist das Erlanger Depot: dort die Kiste zu suchen, kostet mich 1 Tag Arbeit, den ich bislang nicht freimachen konnte. Ich sehe jetzt aber ein, dass diese wenig erfreuliche Arbeit nunmehr gemacht werden muss und will nach Rückkehr von Herrn Scholz doch in den sauren Apfel beissen. Herr Scholz wird Ihnen selbst berichten, wie es in dem dortigen Depot so sehr an Raum gebricht und wie alles kunterbunte durcheinandersteht.

Nun schrieben Sie mir vor längerer Zeit, dass Sie 2 Mozart-Flügel-Mechaniker vorbereitet hätten. Ich bin mir aber nun nicht im Klaren, ob es sich um fertige Mechaniker plus Klaviatur handelt, oder nur um Teile. Bitte informieren Sie darüber Herrn Scholz erschöpfend. Das Beste wäre, wenn Sie die Klaviatur komplett machen würden. Wir könnten ja bei Rats & Gloger 2 Klaviaturen ohne weiteres nach Ihren Zeichnungen angefertigt erhalten bekommen, was natürlich
viel einfacher ist, als wenn Sie selbst in Handarbeit die Klaviaturen machen müssten. Ganz abgesehen dabei von den Holzschwi[e]rigkeiten die zu überwinden für Sie nicht leicht wären.

Ich danke Ihnen ihr Ihre Bemühungen bei Kirchner und bitte Kenntnis zu nehmen von beiliegendem Durchschlag meiner Antwort an Kirchner. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie dort auf Grund des Durchschlages nochmals Besuch machen und mit Herrn Held verhandeln würden. Herr Scholz könnte dann die erbetene Vorrichtung gleich mitnehmen, die Bezahlung würde durch Julius geregelt. Ich gebe Herrn Scholz die nötigen Informationen für Sie, Kirchner und Julius mit.

Herr Scholz wird auch zu Herrn Gruber kommen, um diesen 1 Paar Handschuhe zu überbringen und wird bei dieser Gelegenheit mit Herrn Grube nochmals die Versandmöglichkeiten nach Berlin besprechen

b.w.

Nur meine Bilanz per jetzt wäre mir nun wichtig zu wissen, was alles inzwischen an fertigen Instrumenten bei Ihnen steht und welche halbfertigen Sachen. Sie sandten mir vor etwa 1 1/2 Jahr schon eine Aufstellung, die aber natürlich inzwischen überholt ist. Vielleicht könnten Sie mit Herrn Scholz gleich die Sache der Einfachheit halber durchsprechen, der mir dann die Notizen überbringt.

Falls Sie Material benötigen, bitte ich um Bekanntgabe an Scholz, da wir dieses dann über Häussler, Eisenberg, Ihnen zukommen lassen können.

Über Ihre beiden Clavichords wird Ihnen Herr Scholz berichten: wir machten bei dem einen zum Vergleich den Versuch, den Stahlbezug durch Messing zu ersetzen und erzielten damit tonlich einen recht hübschen Erfolg. Das Instrument ist mit dem neuen Bezug (im Bass je Ton achtfuss und vierfuss) ein sehr schöner Erfolg und Steglich war begeistert davon.

Wenn Sie weitere Spinettgehäuse vorbereiten, bitte ich Sie dafür nach Möglichkeit Edelhölzer zu nehmen, es muss aber nicht Nussbaum sein, es könnten auch, wenn uns Blüthner helfen kann, furnierte Gehäuse mit irgendwelchen anderen furnierfähigem Furnier sein, möglichst aber nicht Eiche. Massiv käme Kirsch und Birn in Frage. Sollte Weichholz genommen werden müssen, so rate ich, entweder die Deckel aus Sperrholz zu machen, oder die Instrumente ohne Deckel fertigzustellen, dann machen wir die Deckel in Nürnberg eigens dazu. Der Deckel des einen Ihrer Clavichords war während des
ganzen Sommers sehr brav. Jetzt wo er in meine Warmwasserheizung kam, (Instrument noch nicht gestrichen) wurde er bösartig und warf sich derartig (der Kern nicht aufgeschnitten), dass ich es vorzog der Einfachheit halber einen neuen Sperrholzdeckel machen zu lassen. Dagegen haben sich die beiden Deckel der Clavichord-Kopie Nr. 2 wacker gehalten. Diese Kassetten sind jetzt in den von Ihnen seinerzeit angegebenen Farben gestrichen und das Rosa innen, altgrün aussen, gibt einen wunderschönen farblich reizenden Effekt.

Nächste Woche kommen in der ehemaligen Werkstatt Maurer alle meine Maschinen in Betrieb. Eigentlich müssten zum Einzug Ehrenjungfrauen mit Kränzen gestellt werden! Vom alten Glock bekamen wir einen sehr lustigen Brief, der noch den alten Humor des Reiner aufweist. Er ist jetzt 81 und noch
das alte Viech wie früher.

Sollten Sie wieder in Brennstoffnot geraten, so bäte ich Julius Ihnen wieder, wie erst geschehen, zu helfen.

Dann dürfte alles Schwebende erledigt sein. Ich grüsse Sie herzlichst, auch im Auftrag von Steglich und Luise und bin damit wie
immer // Ihr".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1949,02,18
Schreibort
Nürnberg