NL Rück, I, C-0570b

"Sehr geehrte Herren!

Ich komme heute auf die Fournierfrage und berichte, dass wir hier nur bekommen können Mahagoni-Fournier 5 mm stark und Ahorn-Fournier 10 mm stark, Birnbaum-Fournier 8 mm stark, Es fragt sich nun, ob Sie nicht das 5 mm Fournier verwenden können, wenn Sie es abhobeln, oder ob wir weiterhin unsere Bemühungen fortsetzen sollen, ein 2 mm Mahagoni-Fournier zu bekommen. Zu bekommen ist es sicher. Wenn Sie aber das 5 mm Fournier verwenden können, ist die Sache natürlich einfacher. Bei der Ahorn-Dickte würden meines Erachtens 10 mm nichts schaden, dann können Sie die Stiele halbieren. Falls Sie Birnbaum verwenden können, wäre dieses in sehr guter Beschaffenheit auch zu bekommen, jedoch möchte ich, dass die Ersatz-Stiele aus demselben Material hergestellt werden wie das Original.

Für das Fries habe ich einen Maler, der die Sachen von Hand malen kann. Es ist nur die Frage, ob es dann möglich ist, die Friesstücke so genau auf den halben Millimeter einzpasgen, dass die fehlenden Teile an die anderen Teile passen. Wenn dies möglich ist, geht es ohne weiteres, dass Sie mir das Material senden und angeben wieviel Meter Fries Sie benötigen. Andernfalls bleibt nichts übrig als die Fries-Reparatur auszuführen, wenn der Flügel nach Nürnberg zurückkommt. Dies bitte ich noch zu entscheiden und mir dann gegebenenfalls die Friesstücke zur Reparatur einzusenden. Die Malerei würde durch einen mir befreundeten Münchner Maler ausgeführt.

Mit freundlichen Grüssen // Ihr ergebener

N. S. Ich sah vor wenigen Tagen in München einen Flügel von Andre Stein - Wien mit Original-Firma, also von dem Sohn des Johann Andreas Stein. Er hat 6 Oktaven, weisse Untertasten, schwarze Obertasten, ist durchgehend dreichörig, 2.50 m lang. Er hat eine interessante Pedalanlage, nämlich Forte-Pedal, 1 Pedal für Verschiebung auf eine Seite und 1 Pedal für Verschiebung auf die 2. Seite. Dieses Pedal hatte Beethoven im Andante seines op. 110 im Auge: Nach und nach mehrere Saiten lautet dort die Vorschrift. Ich könnte diesen Flügel für [R]Mk. 180.-- bekommen. Das Gehäuse ist Mahagoni. Leider hat ein Idiot die ursprüngliche Belederung entfernt und den Flügel neu befilzt. Man sollte doch solche sogenannte auch Reparateure auf die Finger klopfen. Ebenso hat derselbe Meister den Bass zweichörig gemacht und die 3. Lochreihe durch einen Filzstreifen überdeckt. Glauben Sie, dass dieser Flügel ankaufswert ist? In der Form ist er genau wie der Flügel der Stuttgarter Sammlung [Josten 1928] auf Seite 47. Abbildung 23, nur hat er 3 Pedale mit kleinen Intarsien und Füsse in der Art wie der Flügel der Stuttgarter Sammlung Seite 57, Abbildung 29, jedoch mit Bronce-Stiefel. Vielleicht haben Sie im Museum einen ähnlichen Flügel und würden an Hand dessen mir raten, ob der Aufkauf empfehlenswert ist. Das Neubeledern der Hämmer ist natürlich eine mords Arbeit, doch könnte man diese vielleicht in Wien vornehmen lassen, um Ihren Herrn Bruder [Bruno Marx] nicht zu stark zu belasten. Ich fürchte, dass der Charakter des Flügels nicht herauskommt, wenn man nicht die Hämmer neu beledert. Der Resonanzboden hat nur einen Sprung und das Instrument ist im übrigen sehr gut erhalten. Die Mechanik ist Wiener Mechanik mit Metall-Kapseln, mit Auslösern, aber diese ohne Regulierschraube. Die Mechanik ist von vorzüglicher Arbeit. Andreas Stein-Flügel sind verhältnismässig selten. Ich kenne nur ein paar in einer amerikanischen Sammlung.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihre Meinung möglichst umgehend mitteilen könn[ten], da ich den Flügel nur bis Anfang kommender Woche an Hand habe. Natürlich ist noch e[in] anderer Interessent vorhanden. Glauben Sie, dass die Pedalanlage allein und der Name des Erbauers den Ankauf rechtfertigt, oder hielten Sie es für besser abzuwarten bis wir einen Streicher-Flügel bekommen? Wir möchten den Flügel für Beethoven-Reproduktion.

Vielen Dank im Voraus und herzliche Grüsse von // Ihrem ergebenen".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1933,06,16
Schreibort
Nürnberg
Erwähnte Objekte
Hammerflügel
Tasteninstrumente
erwähnt als
Reparatur
Detailinformation(en)
Hammerflügel
Tasteninstrumente
erwähnt als
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Detailinformation(en)
erwähnte Institutionen
erwähnt im Zusammenhang
Vergleichsobjekt(e)
Literaturreferenz
Josten 1928