NL Rück, I, C-0570j

"Lieber Herr Marx,

ich sende Ihnen in einem kleinen leichten Kistchen W.R.103

1. eine russische Gusli (Psalterium in Dreieckform) Ankauf Neuner/Kiessling

2. eine Mandoline Sammlung Leibbrand

3. eine primitive Balalaika (Neuner München) mit der Bitte, diese Instrumente freundlich richten zu wollen, und zwar ausser der Reihe bevorzugt, bevor Sie andere
ältere Kommissionen neu beginnen, da Instrument 3 mir nicht gehört (Städt. Sammlung München) und 1 eine grosse Rarität ist, die ich dann sofort nach Rückkehr sichern will. Ferner bäte ich Sie Nr. 1 und Nr. 3 fotografieren zu wollen, zu welchem Zwecke ich der Kiste 1 Dutzend Platten 13 mal 18 beilege. Die für die Gusli notwendigen Saiten bitte ich Sie direkt bei Carl August Schuster bestellen zu wollen. Bei 3 fehlt der Boden, den Sie frdl. ersetzen wollen und ev. Holz bei mir anfordern. Ferner möchte ich von 3 eine Copie haben, da es sich dabei um einen sehr seltenen Typ handelt: bitte auch dafür das Holz bei mir anzufordern. Beschrieben sind im grossen Heyerkatalog: Nr. 1 auf Seite 302, Nr. 3 auf Seite 227. Ich finde noch im Brüsseler Katalog zu Nr. 1 Gusli folgendes: das Brüsseler Instrument ist mit 23 Darmsaiten bezogen von gleicher Stärke, deren Stimmung zwar unbekannt ist, aber deren Mensur Brüssel so deutet, dass die Stimmung diatonisch ist, beginnend bei 23 Saiten mit dem e der kleinen Oktave (unterhalb Violin G) und endend mit dem f der 3gestrichenen Oktave, Vorzeichnung ein b im Violinschlüssel. Das Brüsseler Instrument ist nur 85 cm breit, 40 cm tief von vorn nach hinten und der Resonanzkörper 10 cm hoch. Die klingende Länge der längsten Saite beim Brüsseler Instrumente ist 77 cm, der kürzesten 13 1/2 cm, d.h. es heisst im Katalog "Länge der grössten Saite" was ich als "klingende Länge" annehme.

Zu 3 Balalaika: es handelt sich um einen primitiven Typ. Die Stimmungen der Balalaika variieren: Brüssel gibt an:

a. 2 mal ein gestrichenes e und 1 mal Stimm a

b. 1 mal a der kleinen Oktave neben Violin g, 1 mal eingestrichenes d und 1 mal Stimm-a

c. 1 mal h der kleinen Oktave, 1 mal ein gestrichenes e und 1 mal Stimm-a

Danach können Sie ungefähr die Saiten berechnen, kommt ja nicht so genau darauf an.

Besten Dank für Ihre Karte, wonach Sie nicht mehr die Zettel fotografieren können, macht auch nichts, 2 sind halbwegs, 2 geben Andeutungen, auf den letzten 2 Platten ist gar nichts. Ich freue mich mit Ihnen über den lieben Besuch Ihres Sohnes. Nützen Sie das Schönwetter bestens aus. Kommende Woche bin ich
in Wien I, Hotel Siller, dann wieder in Nürnberg.

Herzliche Grüsse // Ihres".

 

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1943,06,28
Schreibort
Nürnberg