NL Rück, I, C-0444d

(Mit Brief vom 8. September zusammengeklebt.

Unterstreichungen größtenteils nachträglich, wohl Hans oder Ulrich Rück.)

 

"Lieber Herr Dr. Rück,

Unsere letzten Briefe haben sich gekreuzt, und meine Auskunft über das Dominicus-Spinett [MIR1081] wird Sie daher wohl noch rechtzeitig am gestrigen Samstag erreicht haben. - Was das Ruckers'sche Doppel-Virginal angelangt, so war es dieses Instrument, mit dem unser Briefwechsel im Sommer 1929 begonnen hat. Es ist das gleiche Instrument, das ich 1911 oder 1912 in Santa Margherita bei Genua besichtigt habe und das damals - wie mitgeteilt - sogar 100.000 Gioldlire kosten sollte! Es ist ein Museumsstück allerersten Ranges und insofern von ganz besonders hohem instrumentenkundlichem und wissenschaftlichem Wert, als es seinen Originalzustand noch völlig bewahrt hat und sich das kleine Virginal an das grosse koppeln lässt, sodass das Instrument dann wie ein zweimanualiges Cembalo gespielt werden kann. Da nun der Deckel nicht zu dem Instrument passt, also wohl sicher erst später hinzugefügt worden ist, kann ich Ihnen nur beipflichten, denselben dem Antiquar zu belassen, zumal sich dann der Preis um 5000 Lire ermässigt. Dass der Originaldeckel fehlt, ist zwar bedauerlich, aber nicht ausschlaggebend. 35.000 Lire wären 7700 Mark, ein Preis, den ich - offen gestanden - bei der ausserordentlichen Seltenheit dieses Typs nicht für übertrieben hoch halte. Meine Schätzung 1929 - d. h. noch zur Zeit der Wirtschaftsblüte - war 10.000 Mark als Höchstbetrag. Auch unter den heutigen Verhältnissen würde ich den Wert des Instruments noch immer auf 6000-6500 Mark veranschlagen, wenn ich auch glaube und hoffe, dass der Händler es noch billiger abgeben wird, nachdem er sich überzeugt hat, dass ein Verkauf nach Amerika bei der jetzigen Geldlage kaum irgendwelche Erfolgsaussicht hat.

Ausser diesem völlig intakten italienischen Exemplar ist mir in meiner 25 jährigen Praxis nur noch einmal ein zweites Doppel-Virginal vorgekommen: Heyer Nr. 1093 [heute Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig], von Andreas Ruckers d. Aelt., Antwerpen 1644. Dies Instrument war allerdings relativ recht billig, da es nicht freihändig, sondern auf einer Londoner Versteigerung (Puttick & Simpson) zum Verkauf kam - hatte aber das Manko, dass ihm das kleine Virginal fehlte, das dann von [Otto] Marx nachgebaut wurde (s. S. 16 im kleinen Heyer-Katalog [Kinsky] 1913).

Zu den beiden anliegenden Photos: 1) Rebâb: ein hübsches Stück in der für die Muselmann-Instrumente typischen Inkrustations-Technik; auch wichtig als ein Vorläufertyp der abendländischen Streichinstrumente (Rebec). Da aber Bogen und Wirbel fehlen, halte ich meine bereits erteilte Schätzung von 100-125 Mark für angemessen." (Laut handschriftlicher Ergänzung Hans Rücks(?) Nummer IX auf dem Notizblock.)

"2) 'Was ist das?' vermutlich ein kleines 'Colachon', ein 'Mezzo Colascione' (vgl. Heyer Nr. 531 [heute Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig], Katalog II [Kinsky 1912] S. 125), jedoch abweichenderweise nicht mit einem Wirbelkasten, sondern mit einem gitarre-artigen Wirbelbrett. Da fraglich, ob das Wirbelbrett original ist, wenig empfehlenswert!" (Laut handschriftlicher Ergänzung Hans Rücks(?) Nummer VI auf dem Notizblock.)

"Zur Frage meiner Liquidationen möchte ich darauf hinweisen, dass ich Ihnen für jede Auskunft (d. h. für jedes einzelne Instrument) in der Regel nur 3-5 M in Rechnung stelle, doch gewiss ein reichlich niedriger Satz! Im Kunsthhandel ist es allgemein üblich, dass bei Expertisen, die zu einem Ankauf führen, der Auskunftserteiler mit einem gewissen Prozentsatz am Ankaufspreis beteiligt wird, und ich bitte Sie frdl. zu überlegen, ob Sie mit zur Erhöhung meiner ohnehin sehr geringen Verdienstmöglichkeiten dies nicht auch zubilligen könnten. Das heisst also: bei allen Ablehnungen (nicht erfolgten Ankäufen) bleibt es wie bisher - nur wenn auf Grund meiner Auskünfte und Schätzungen ein Ankauf zu stande kommt, erhalte ich von Ihnen nach getätigtem Ankauf eine weitere Vergütung, über die wir ja von Fall zu Fall eine Vereinbarung treffen können." Handschriftliche Notiz von Hans Rück(?) am Rande: "Nein!"

"Mit besten Grüssen an Sie und Ihren w. Herrn Bruder [Hans Rück] Ihr ergebenster // [handschriftlich] Dr. G. Kinsky".

 

Bl[att]. II // 10. September 1933

Den gestrigen Eilbrief habe ich erst nach Abschluss dieses Schreibens mit einiger Verspätung erhalten bezw. ihn mir von der Post abholen müssen. An Ihren Herrn Bruder [Hans Rück] habe ich wunschgemäss geschrieben und die vorgeschlagenen Schätzpreise in den Brief eingesetzt.

Die Mandoline von T. Fiscer, Siena 1713 (Angaben über ihn im Heyer-Katalog II [Kinsky 1912], S. 242) ist immerhin ein recht nettes Stück (im Originalkasten); zudem sind die alten Mailänder Mandolinen mit doppelchörigem Bezug selten geworden. 1500 Lire = 330 Mark ist aber zu teuer; Schätzung: bis zu 150 Mark." (Letzter Abschnitt markiert.) Handschriftliche Ergänzung von Hans Rück zur Mandoline: "Notizbuch Nr. V. // 150 [RM] x 4,5" ergibt nach Rücks Umrechnung "675,00 Lire".

"Das Heft von Garnault [1926] behalten Sie noch ruhig dort. Die Studie von M. Schneider [1928] geht gleichzeitig als Drucksache ab.

Sind Sie eigentlich mit Herrn [Fritz] Wildhagen in Berlin zu einer Einigung gekommen oder ist die Sache noch in der Schwebe?

Mit vielem Dank für die gesandten 20 Mark und nochmaligen besten Grüssen // Ihr [handschriftlich] G[eorg]. K[insky].

P. S. Montag und Dienstag bin ich zu einem Besuche in Koblenz-Ehrenbreitstein, Dienstag Abend aber wieder daheim."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1933,09,10
Schreibort
Köln
Erwähnte Objekte
Spinett
Tasteninstrumente
erwähnt als
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Virginal (Doppelvirginal)
Tasteninstrumente
erwähnt als
Detailinformation(en)
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Gutachten Marktwert
Virginal (Doppelvirginal)
Tasteninstrumente
erwähnt als
Detailinformation(en)
Vergleichsobjekt(e)
erwähnt als
Detailinformation(en)
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Gutachten Marktwert
Colascione (Mezzo Colascione)
erwähnt als
Gutachten
Detailinformation(en)
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Colascione
Zupfinstrumente
erwähnt als
Vergleichsobjekt(e)
Mailänder Mandoline
Zupfinstrumente
erwähnt als
Detailinformation(en)
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Gutachten Marktwert
erwähnte Institutionen
erwähnt im Zusammenhang
Vergleichsobjekt(e)
erwähnt im Zusammenhang
Angebot Musikinstrument(e)
erwähnte Ereignisse
Typ des Ereignisses
Gutachten Marktwert
Wechselkurs
Virginal (Doppelvirginal)
Angebotspreis
Wert von
35000
Wert bis
35000
Währung
Italienische Lira (ITL)
Angebotspreis nach Umtausch
Wert von
7700
Wert bis
7700
Währung
RM
Quelle
NL Rück, I, C-0444d, 1933,09,10, Brief
Marktwert
Wert von
6000
Wert bis
6500
Währung
RM
Involvierte Person
Köln
1933,09
Typ des Ereignisses
Rekonstruktion
Involviertes Objekt
Virginal (Doppelvirginal)
Involvierte Person
Köln
vor 1913
Typ des Ereignisses
Gutachten Marktwert
Involviertes Objekt
Marktwert
Wert von
100
Wert bis
125
Währung
RM
Involvierte Person
Köln
1933,09
Typ des Ereignisses
Gutachten
Colascione (Mezzo Colascione)
Involvierte Person
Köln
1933,09
Typ des Ereignisses
Gutachten Marktwert
Mailänder Mandoline
Angebotspreis
Wert von
1500
Wert bis
1500
Währung
Italienische Lira (ITL)
Angebotspreis nach Umtausch
Wert von
330
Wert bis
330
Währung
RM
Quelle
NL Rück, I, C-0444d, 1933,09,10, Brief
Marktwert
Wert von
150
Wert bis
150
Währung
RM
Involvierte Person
Köln
1933,09
Literaturreferenz
Garnault 1926
Schneider 1928
Kinsky 1912
Kinsky 1913