NL Rück, I, C-0873g

"Liebe Herren Rück,

schönsten Dank für die letzten beiden Briefe. Ich sah daraus, daß Ihre Besserung, lieber Herr Dr., doch so einigermaßen vorwärts geht. Nun mögen auch die letzten Reste der Schmerzen und sonstigen unangenehmen Erscheinungen bald ganz verschwinden! Was die Wiener Doktoren noch nicht völlig zuwege gebracht haben, das wird dann hoffentlich in Gastein ganz in Ordnung kommen.

Die Mitteilungen zur Krankheitsgeschichte habe ich an Herrn Prof. Hauck weitergegeben.

Was nun die Cembalobegutachtung in München betrifft, so kann ich sie leider nicht so bald vornehmen, wie Sie wohl gewünscht hätten. Ich muß jetzt bis zum 15. den 2. Händelopernakt für Halle fertig machen, dann den Vortrag zum Händeltag in Halle - ich fahre am 22. dazu hin - ausarbeiten. Hier und an der Nürnberger Hindenburghochschule läuft das Semester oder vielmehr Trimester. Zu alledem habe ich vor einer Woche noch einen Vortrag vor der Kollegenschaft der Universität zusagen müssen, der am 20. steigen soll. Die Doktorarbeiten, die der Durchsicht harren und deren Verfasser es sehr eilig haben, will ich gar nicht rechnen, denn zu denen komme ich jetzt während des Semesters so wie so nicht. Vor der Fahrt nach Halle kann ich also ganz unmöglich nach München fahren, zumal da man jetzt damit rechnen muß, daß die Fahrt sehr viel länger dauert als unter gewöhnlichen Umständen. Ich habe dieserhalben schon an Maendler geschrieben, da ich zunächst auch nicht wußte, für wann diese Besichtigung gedacht sei. Er schrieb mir heute wieder, da zunächst sowieso Gütersperre sei, und daß es bei einem neuen Instrument immer gut sei, wenn es möglichst lange stehen bliebe wegen der notwendigen Nachregulierungen. So hoffe ich denn, daß Ende des Monats etwa noch Zeit für die Münchener Reise sein wird.

Zu der Besichtigung der Wiener Klaviere bin ich auch noch nicht gekommen. Doch fahre ich heute Nachmittag einmal hinüber - abends habe ich die Vorlesung in der Hindenburghochschule, vielleicht sehe ich dann etwas von den Wienern, die mich natürlich auch sehr interessieren.

Wenn Sie übrigens in Halle etwas auszurichten hätten, schreiben Sie mir bitte vorher. Ich denke mit den dortigen Herrschaften ausgiebiger zusammenzukommen, da auch Besprechungen wegen der Opernsache sein müssen. Schade, daß ich dann nicht schon aus eigener Anschauung auch über das neue Cembalo berichten kann. Aber es geht beim besten Willen nicht!

Mit den besten Wünschen für baldige, schnelle völlige Genesung und herzlichen Grüßen für Sie beide // Ihr // [handschriftl.] RudolfSteglich."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1940,02,07
Schreibort
Erlangen
erwähnte Personen
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