NL Rück, I, C-0873g

"Liebe Herren Rück,

in aller Eile wenigstens ein paar Zeilen auf die beiden Briefe, die hiermit bestens bedankt seien - ich habe die Doktorarbeiten von Schmidt-Scherf, Menke und dem Apotheker und Heldenbariton Schmitt daliegen - eine schreckliche Arbeit: alle wollen sie in dieser Woche noch promovieren!!!

Sobald etwas Luft ist (obwohl durch diese Dissertationen die Zeit für den 3. Händelopernakt für Halle sehr knapp wird und also die Bedrängnis nicht gleich aufhören wird) soll die Tschudi-Beurteilung umstilisiert werden. Für heute nur ein paar Worte zu Ihrem Vorschlag, an [Karl August] Fischer zu schreiben. Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Fürsorge. Und es wäre gewiß nicht vom Übel, einmal so wie beiläufig F. ins Bild zu setzen. Es handelt sich um zwei Sachen, von denen die eine - die Festsetzung der Diäten, die ich als außerplanmäßiger Prof. gesetzlich bekomme - vor einigen Tagen entschieden wurde, in einer Weise, daß wohl vom 1. 1. dieses Jahres an mein Universitätseinkommen etwas höher wird als bisher, aber doch auch ein empfindlicher Dämpfer damit verbunden ist. Ich hatte beantragt, daß auf das Diätendienstalter auch eine gewisse Vorbereitungszeit vor der Habilitation angerechnet würde (auch bei Assistenten wird es ähnlich gemacht) - das ist nicht geschehen. Außerdem sind an der ungefähr ein Jahr alten reichsgesetzlichen Verfügung, daß die Diäten rückwirkend vom 1.10.38 oder wenigstens 1. 4. 39 an gelten sollten, sehr große Abstriche durch neue Erlasse gemacht worden. Meine Ernennung zum außerplanmäßigen Prof. und die Bewilligung der [D]iäten ist in Berlin am 2. Sept. 39 ausgestellt mit der Bestimmung, daß die Diäten vom Tage der Überreichung der Ernennungsurkunde an gezahlt werden sollen. Bis zu dieser Überreichung hat es nun hierzulande 18 Tage gebraucht, dank der Münchener Zwischenschaltung! Eine noch neuere Verfügung besagt aber, daß von diesem Tage an bis zum 31.12.39 nur das Anfangsgehalt berechnet werden soll - das ist aber kaum mehr als das, was ich bisher hatte, vielleicht sogar etwas weniger, und erst vom Anfang dieses Jahres ab die Diäten nach dem Dienstalter - das macht bei mir nicht ganz 100 RM monatlich mehr aus. Genau kann ich's erst sagen, wenn die Zahlung erst mal geleistet wird. - Ich denke bei alledem an die schönen Zeiten zurück, wo ich noch in Hannover an der Zeitung [Musikredakteur beim Hannoverscher Anzeiger] saß und in Honorarsachen sehr anständig und großzügig behandelt wurde. Daß etwa nicht genügend Gelder in München dagewesen waren, läßt sich nicht behaupten, obwohl man selbstverständlich in Kriegszeiten manches zurückstellen muß. Erst in den letzten Tagen hat das Münchener Ministerium 80 000 RM, die es überraschenderweise übrig hatte, Hals über Kopf an Universitätsinstitute ausgegeben. Da empfindet man solche Behandlung - ich bin ja nicht der einzige Leidtragende - als besonders unnötig kränkend.

In dieser Sache würde nun F. auch kaum mehr etwas tun können. Wichtiger noch wäre, daß das Münchener Ministerium zu der Überzeugung gebracht wird, daß an der Erlanger Universität für Musikwissenschaft eine planmäßige Stelle zu schaffen ist. Denn erst das wäre für das Fach wie für dessen Vertreter eine wirkliche Sicherung. Ich bin, gerade in diesen Tagen auch, auf das Höchste aufgebracht darüber, daß jetzt die Fakultät wiederum für ein anderes Fach, das noch viel kürzere Zeit an der Universität vertreten ist, und zwar von einem jüngeren Junggesellen, die Planmäßigkeit in München beantragt hat, nicht aber für die Musikwissenschaft, obwohl mir vor mehr als 10 Jahren, ehe ich nach Erlangen kam versichert wurde, daß der erste neu zu schaffende Lehrstuhl der musikwissenschaftliche sein würde. Auch wenn jetzt während des Krieges nicht viel Aussicht ist, daß neue planmäßige Stellen geschaffen werden, so ist es doch für die künftige Zeit wesentlich, daß wenigstens ein diesbezüglicher Antrag gestellt wird. Wenn Sie also gelegentlich an F. schreiben oder später mit ihm sprechen, so wäre ein Hinweis darauf wohl das Beste. Sobald sich mir anderes bietet, in welchem Musikfach es auch sei, hält mich diese Erlanger Universität nicht mehr.

Genug von diesen unerquicklichen Sachen! Daß Sie nun endlich die Fahrt nach Bad Gastein antreten werden, ist doch ein Lichtblick! Hoffentlich wird's inzwischen ein bißchen wärmer! Sobald die Sonne scheint, ist es aber gewiß schon jetzt da oben in den Bergen wunderbar! Da möge dann die Erholung doch schneller vor sich gehen, als der vorsichtige Wiener Doktor zunächst vermutet!

Mit den besten Wünschen und herzlichen Grüßen für Sie beide // Ihr // [handschriftl.] Steglich."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1940,03,11
Schreibort
Erlangen
Erwähnte Objekte
Cembalo
Tasteninstrumente
erwähnt als
Gutachten
erwähnte Institutionen