NL Rück, I, C-0570a

"Sehr geehrter Herr Doktor!

Ihr wertes Schreiben mit Dank erhalten. Die 2 Instr. bei meinem Bruder [Bruno Marx] in Dresden haben wir eingehend nachgesehen und wird Ihnen gewiß interessant sein einiges darüber zu hören.

Das Tafelklavier [MIR1161] ist sehr gut und massiv gebaut, besser als das im Museum [Leipzig, Museum für Musikinstrumente der Universität, Inv.-Nr. 110] vom älteren Bruder Theophil W. [Johann Gottlob Wagner, siehe Kinsky 1910, S. 280.] Nun schreiben Sie mir einiges über Lautenzüge und transponieren, was ich mit diesem Instrument nicht in Einklang bringen kann. Es ist eine obenaufliegende Gesamtsämpfung von Besenlitze (muß weil zerfressen erneuert werden) dann ein fehlender Lautenzug mit Schweinsleder, der sich von unten an die Saiten drückt und ein Fortezug (abgeben der Dämpfung) alle 3 durch Kniehebel zu bedienen. Die 2 Messingknöpfe auf den Claviaturbacken dienen nur zum Herausnehmen der Claviatur. Diese steckt vorn auf 2 etwa 10 mm hohe[n] Holzzapfen, dabei liegt der Claviaturrahmen hinten fest gegen die Rückwand, also ein rückwärtsschieben der Claviatur kann nicht in Frage kommen. Polster und Garnierung haben sehr von Motten gelitten und sind zu erneuern, die Stiftlöcher in den Tasten hat ein Reparateur ausgetrennt, und so, daß Holz eingesetzt werden muß. Der Boden hat sich durchgedrückt und muß heraus und neue Rippen bekommen, ebeso ein Stück Steeg im Diskant und schließlich noch manches was sich erst bei der Arbeit findet.

Das Cembalo [nicht ermittelbar] ist ja schlimmer. Der Boden ist von einem Reparateur, durch unterleimen von Rippen (Balken) gänzlich steif gemacht, der Steg ist vom Wurm gänzlich ausgehöhlt auch dieser muß erneuert werden. Der Boden muß ebenfalls heraus, was so einfach nicht geht, da die Anhängestifte eingerostet und beim Herausziehen abreißen. Der Stimmstock ist auch sehr verwurmt. Diesen zu erneuern würde leider ohne starke Beschädigung der Lackmalerei nicht zu machen sein, da sieser kreuzweise mit Schmiedenägel durch die Wand vernagelt ist. Der alte Stimmstock, welcher lose ist und nur an den Nägeln hängt, geht aber so wieder fest zu machen. Sonst die üblichen Rep. an Tasten (neue Führungen) und Docken muß ein Teil erneuert werden, bei allen die Zungen und Federn und noch manches andere.

Irgend ein Vermerk hat sich beim Auseinandernehmen bis jetzt nicht gefunden, auch nicht unter dem Boden. Oft ist eine Signierung auf dem 1. Tasten, dieser ist jedoch nicht mehr original.

Das kleine Spinett [wohl MIR1090 oder MIR1091] habe ich jetzt fertig bis auf die Gehäusereparatur. Es klingt sehr gut.

Ich gedenke in 3-4 Tagen die 3 Instr. zum Versand zu bringen.

Mit bestem Gruß // Ihr sehr ergebener // Otto Marx."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1931,06,16
Schreibort
Leipzig
Erwähnte Objekte
Tafelklavier
Tasteninstrumente
erwähnt als
Reparatur
Detailinformation(en)
Cembalo, einmanualig
Tasteninstrumente
erwähnt als
Reparatur
Detailinformation(en)
erwähnte Institutionen
erwähnt im Zusammenhang
Vergleichsobjekt(e)
erwähnte Ereignisse
Typ des Ereignisses
Gutachten Zustand
Tafelklavier
Cembalo, einmanualig
Involvierte Person
Dresden
1931,06
Typ des Ereignisses
Reparatur
Involviertes Objekt
Involvierte Person
Leipzig
1931,06
Literaturreferenz
Kinsky 1910