NL Rück, I, C-0570h

"Lieber Herr Marx!

Freundlichen Dank für Ihren Brief vom 1.d.M.. Einen Auszug über Ihr Konto lege ich bei.

Heute möchte ich vor allem anfragen, ob an dem Hofmann-Flügel auch messingüberzogene Stäbe angebracht sind oder nicht. Wenn Sie die Fotografie unseres Hofmann-Flügels ansehen, werden Sie finden, dass vorne über der Klaviatur Viertelsstäbe sind, die mit Messing überzogen sind. Nun wäre mir natürlich erwünscht zu wissen, ob der Leipziger Flügel auch solche Stäbe hat. Eigentlich müssten ja derartige Stäbe auch bei unserem Flügel am Fuss angebracht werden. Etwa ähnlich als wie an dem Walter-Flügel sie sind. Da Sie aber auf Ihrer Zeichnung solche Stäbe nicht anbrachten, nehme ich fast an, dass sie an dem Leipziger Instrument fehlen. Hierüber würde ich noch gerne Ihre freundliche Mitteilung hören.

Da überdies der Leipziger Flügel wie der Walter-Flügel Bronzestiefel hat, möchte ich fast annehmen, dass er vielleicht früher auch messingüberzogene Stäbe hatte, da diese eigentlich stilgemäss dazu gehören.

Hätten Sie ev. Lust, für mich nach Radebeul und Dresden gelegentlich zu fahren? In Radebeul ist ein gewisser Alwin Starke, der uns eine Viola pomposa und ein paar Gamben anbietet. Ohne Ihre fachmännische Expertise möche ich weitere Verhandlungen natürlich nicht pflegen. Für mich genügt die Besichtigung durch mich selbst nicht, sondern ich verlasse mich auf Ihr Urteil und könnte mir dann auch die weite Reise nach Dresden sparen. Schliesslich ist es ja von Leipzig nach Dresden wesentlich näher.

Gleichzeitig steht oder vielmehr stand wenigstens früher in Dresden ein aufrechter Empire-Flügel. Dieser wäre mit zu besichtigen. Sie könnten also 2 Fliegen auf einen Schlag treffen und ev. auch ein Wiedersehen mit Ihren Verwandten feiern.

Bitte seien Sie so lieb, mir mitzuteilen, ob Sie geneigt wären, die Fahrt zu machen. Bis dahin habe ich auch Bescheid wegen des Giraffenflügels. Ich werde Sie dann wegen der Sache Starke noch ausführlicher informieren. Starke hat auch eine Viola d'amore zu verkaufen und noch 2 weitere Gamben, darunter eine französische. Ich denke bei all diesen Instrumenten an meinen Freund Neuner in München für das dortige Museum. Natürlich müssten wir die Sachen erst für ihn expertisieren.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir die für die seinerzeit geplante Reise nach Apolda gesandten Fotografien der diversen Lyra-Flügel mit retournieren könnten, da ich nachsehen will, ob unter diesen Fotografien nicht eine Aufnahme eines Instruments dabei ist, das in Berlin steht und mir dieser Tage angeboten wurde. Es hat auch für mich persönlich kein Interesse, aber für München. Der Mann in
Apolda hat ja seinen Lyra-Flügel nach Berlin verkauft, sodass die Reise dorthin unnötig ist.

Mein Bruder liegt an einer, wie der Arzt sagt, leichten Bronchitis in Freilassing. Ich hoffe jetzt doch endlich wegzukommen. Einstweilen freundlichen Dank im voraus für Ihre Auskunft. Der gute Professor hat seinen Bericht noch nicht geschrieben, ich glaube, da kann ich noch länger warten.

Unsere letzte Abrechnung war am 31. August:
Sie bekamen damals für die Augustarbeiten, die Sie in Nürnberg geleistet haben RM 200.-- +RM 153.50, zusammen RM 353.50. Weiter rechneten wir am 31.8. die Reise Markneukirchen ab:
aus dieser resultieren zu meinen Gunsten RM 35.--
Ferner resultiert zu meinen Gunsten RM 40.-- von der Sache S[?]rn und RM 100.--, die ich Ihnen à conto am 21.8. per Postanweisung sandte:
zusammen habe ich also ein Guthaben bei Ihnen von RM 175.--.

Ich schulde Ihnen dagegen à conto der Arbeiten, die Sie in Leipzig im September und Oktober geleistet haben. Bitte senden Sie mir darüber eine à-conto-Rechnung für September und eine à-conto-Rechnung für Oktober: Sie brauchen ja nur zu schreiben:
à conto in Leipziger geleisteter Arbeiten RM soundsoviel.

Dann gibt es bei der Jahresendabrechnung kein Durcheinander und wir kennen uns besser aus.

Aus buchtechnischen Gründen wird es sich empfehlen, die Guthaben von RM 40.-- und RM 35.-- erst am Jahresende zu verrechnen, dagegen die RM 100.-- auf Ihre beiden à-conto-Rechnungen vom September und Oktober.

Ich suche bei mir vergebens den Grundriss der ital. Gitarre, die Sie dort haben zur Reparatur. Sie sandten mir seinerzeit den Grundriss und ich wollte in Wien einen Wirbelkasten zeichnerisch dazu kopieren lassen. Nun glaube ich mich dunkel zu erinnern, dass Sie sich selbst einen Wirbelkasten von meiner Sellas-Gitarre kopierten und die Zeichnung wieder mitnahmen. Stimmt das? Wenn nicht, bitte ich nochmals um einen neuen Grundriss, damit ich dann in Wien das gegebenenfalls erledigen kann.

Für heute mit herzlichen Grüssen // Ihr".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1940,11,04
Schreibort
Nürnberg