NL Rück, I, C-0570h

"Lieber Herr Marx!

Vielen Dank für Ihren Brief vom 27.d.M.. Ich bin natürlich einverstanden, dass Sie noch Stoff bestellten. Wegen Hammerleder bin ich tatsächlich dafür, von Geyer noch zu nehmen, was er noch gutes hat, denn wie ich die Situation beurteile, können Jahre vergehen, bis wieder Hammerleder gemacht wird, wenn es überhaupt noch jemals gemacht wird. Schreiben Sie ihm also bitte in diesem Sinn.

Es freut mich sehr, dass Sie den Höckner nebst seinem Auftraggeber abfahren liessen. Das ist die einzig richtige Antwort für das, was Sie und ich für die Leute getan haben. Der gute Koch soll sich nur einen Restaurator suchen, nachdem er offensichtlich jetzt zunehmend fundamentale Kenntnisse auf dem Gebiet alter Instrumente und deren Preise gesammelt hat.

Nun zum Clavicytherium: wenn der hintere Rechen tatsächlich ersetzt werden muss, muss es halt gemacht werden. Wenn man nicht mit einem Ausflicken der alten Teile durchkommt. Das muss ich Ihnen völlig überlassen. Auf jeden Fall heben wir aber den alten Rechen auf.

Das Stück Birnbaum bestelle ich mit gleicher Post direkt bei Seiler, weil Käser z.Z. krank ist und es da vielleicht am schnellsten geht. Seiler hat bestimmt Birnbaum.

Vielen Dank für Ihre bewährten Bemühungen um die Klaviatur. Dass das eine Riesenarbeit war, war mir auch klar.

Wenn Sie Apfelbaum brauchen, haben wir jetzt genügend, da wir allerhand Apfelbaum dazu hereinbekommen haben. Und ich bitte Sie, dann dies direkt Käser zu schreiben.

Nun zu Ihrer Rechnung: Sie haben wohl die Spesen und Fahrkarten verrechnet, aber nicht Ihren Zeitverbrauch und ich bitte Sie freundlich der Rechnung diesen noch hinzuzufügen, denn wir wollen selbstverständlich nicht, dass Sie von Ihrer freien Zeit nach Eisenberg und Halle fahren. Bitte berechnen Sie uns die Stunden und senden Sie mir dann die Rechnung ergänzt wieder zurück.

Sonst nichts weiter als dass hier ein Sauwetter 1. Güte ist.

Inzwischen bekamen wir einen hübschen Hofmann-Flügel, zwar nicht gerade in allerster Erhaltung, aber von Haus aus muss es ein gutes Instrument gewesen sein.

Nun noch eine grosse Bitte. Möchten Sie nicht so lieb sein und mit dem Professor eine Stunde vereinbaren, in der er die Schätzung macht für die Innsbrucker Instrumente? Ich sende Ihnen das Verzeichnis am Montag und gleichzeitig einen Brief an Herrn Professor mit der Bitte, Ihnen eine Stunde zu benennen, zu der er Zeit hat. Es ist ja nicht viel und er wird mir gerne die Gefälligkeit erweisen.

Ohne mehr für heute mit herzlichsten Grüssen // wie immer Ihr".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1940,09,28
Schreibort
Nürnberg