NL Rück, I, C-0873h

"Lieber Herr Professor!

Eben besprach ich mit Haid die Technikerfrage für die Kulturinstrumente. Rückert, der derzeit infrage kommt, ist nächste Woche nicht da, in Urlaub. Er fängt wieder am 23.9. an. Nun haben wir aber eine neue Einrichtung machen müssen: wir können keine Rechnungen mehr ausstellen aus Personalmangel und um Spesen zu ersparen, da das Geschäft passiv arbeitet. Deshalb müssen alle Reparaturen sofort bar an den ausführenden Techniker bezahlt werden. Ich bitte Sie, falls Sie an der Ausführung der Arbeiten Interesse haben, zu klären: 1. wer die Arbeiten bezahlt an den Kulturinstrumenten, 2. bei wem der Techniker sofort nach Beendigung die Beträge einkassieren kann. Rückert hat bedruckte Quittungsformulare bei sich. 3. falls die Arbeiten die MilReg. bezahlen würde, müssten wir eine vorschriftsmässige Auftragserteilung vorher in Nbg in Händen haben und dazu wissen, wer die Arbeit abnimmt, d. h. die richtige Ausführung auf dem Formular von den Am bestätigt, wo das gemacht wird, wie und wann der Herr zu treffen ist. Nur wenn diese Fragen restlos geklärt sind führe ich Dienstleistungen für die MilReg aus, da ich andernfalls nämlich von den deutschen Stellen kein Geld bekomme, wenn nicht die Bestellformulare vorliegen und bestätigt sind! Leider nicht mehr anders zu machen.

Ferner: Konzertflügel bis auf weiteres noch nicht anfordern bei mir, da der einzige Steinway 275 in Pottenstein bleibt, bis ich in Jahnstr. 27 ihn im eigenen Raum (früheres Privatbür[o)] unterbringen kann. Leider auch nicht anders zu machen.

Nun eine vielleicht sehr traurige Nachricht: nach Gesetz 53 der MilReg gilt Österreich als Ausland!!! Es müssen Forderungen und Werte dort der Reichsbank gemeldet werden. Ob meine 12 Mietklaviere dazu gehören und ob der Standardbestand der Sammlung in Sighartstein und Mozartinvertarium dazu gehört, muss ich erst noch klären. Wenn ja, dann besteht die grosse Gefahr, dass diese Sammlungsteile beschlagnahmt werden. Das wäre eine Katastrophe für mich persönlich und für die Sammlung, die dann natrl für immer zerrissen bleiben würde. Ich habe grosse Sorgen und Aufregungen deswegen! Und da soll man gesunden! Schon recht viel verlangt, lieber Herr Professor! Bitte behandeln Sie es streng vertraulich. Hoffen wir das beste.

Noch etwas: ich bitte Sie, Ihre detaillierte Antwort wegen der Arbeiten an den Kulturinstrumenten und dem Bechstein in der Loge nach Jahnstr. 27 raschmöglichst zu leiten (Briefkasten wird täglich entleert, Mo bis Freitag, Samstag ist Firma Rück geschlossen und niemand da. Kommende Woche gegen Wochenende vielleicht an 1 Tag auch weder Haid noch Kithil, da sie das Büro. Behelfsheim in Pommelsbrunn holen, aber das Behelfsheim Nr. 1 ist dann bereits durch Frau Mauerhoff bewohnt.

Ich denke, nun ist alles klar. Nochmals liebe Grüsse // Ihres [handschriftl.] Rück".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1945,09,15
Schreibort
Hersbruck
erwähnte Institutionen
erwähnt im Zusammenhang
Kriegsfolgen
Vermietung
erwähnt im Zusammenhang
Standort Musikinstrument(e)
Auslagerung