NL Rück, I, C-0873h

"Lieber Herr Doktor,

schönen Dank für Ihre Zeilen samt den interessanten Beilagen! Das war freilich eine recht überflüssige Neujahrsbescherung, diese Grippe! Hoffentlich hat nun die Besserung weiter gute und schnelle Fortschritte gemacht, so daß Sie recht bald wieder auf die Höhe kommen. Ich hoffte Sie schon vorigen Mittwoch wieder in Nürnberg wenigstens per Telefon hören zu können, aber es war nun eben nix, vielmehr hörte ich schon von Frl. M[o]ebus, daß Sie krank geworden seien. Hoffentlich können Sie sich dann anschließend an Kitzbühel in Wien bei Kauder völlig auskurieren.

Es freut mich zu hören, daß nun das Mozart-Klavichord an die Reihe kommt. Da wird wohl der gute Marx bald wieder mal nach Nürnberg kommen müssen. Aber ohne daß der Herr und Meister da ist, wird das wohl auch nicht gehen. Also wieder ein Grund, um schleunigst wieder gesund zu werden!

Da haben also die guten Hainspacher auch ein Mozart-'Spinett' aufgetan! Ich dachte bisher, die könnten nur ausgezeichnetes böhmisches Bier brauen - das ist nämlich weit berühmt! Ich habe es in meiner Jugend sogar einmal an der Quelle getrunken. Hainspach liegt nämlich ganz nahe der sächsischen Grenze in dem Zipfel, der zwischen der Sächsischen Schweiz und den Zittauer Bergen nach Norden vorspringt. Zwickau, auch das böhmische, ist ein ganzes Ende davon entfernt, und das sächsische Zwickau erst recht. Beziehungen habe ich zu dem Hainspacher Grafen Salm-Reifferscheid leider nicht. Auch in der großen Mozart-Biographie von Abert [Abert 1919a] ist weder dieser Name noch der Ort Hainspach zu finden. Ich kann mir nur denken, daß durch irgend eine Heirat und Erbschaft das Instrument, das wohl einmal in einem Prager Adelspalast gestanden haben mag, nach Hainspach gekommen ist. Immerhin, wenn sich mal Gelegenheit ergibt, der Sache nachzugehen, muß ich das tun.

Dr. May ist dieser Tage nach Feuchtwangen gefahren - ich vermute, daß er die dortige Gegend wieder nach alten Klavieren abklappert. Morgen abend kommt er wieder, da werde ich ihm Ihre Wünsche, die ich ihm fein säuberlich abgetippt habe, nachdrücklich befürwortend unterbreiten. Am 23. oder 24. fährt er dann nach Paris. Hoffentlich hat er dort rechten Erfolg, Ihnen Ihre Wünsche zu erfüllen. Mit allen guten Wünschen für recht baldige und gründliche Genesung und herzliche Grüße, auch an Fräulein Luise, // Ihr // [handschriftl.] RSteglich."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1942,01,18
Schreibort
Erlangen
Erwähnte Objekte
Klavichord
Tasteninstrumente
erwähnt als
Restaurierung
Literaturreferenz
Abert 1919a