NL Rück, I, C-970g

"Lieber, sehr verehrter Herr Dr. Luithlen!

Besten Dank für Ihren Brief vom 24. Juli, auf den ich erst heute zurückkommen kann. Ich glaube nicht, dass der Garser-Flügel, wie Steglich es annahm, in die Zeit von 1800 zu versetzen ist, sondern bestimmt in die Periode der Flügel im Eisenstädter und Burgenländischen Museum zu datieren wäre. Eine Nachmessung des Stimmstockes in Salzburg hat ergeben, dass der Stimmstock aus der Periode des originalen Flügels mit den Massen des Mauckner-Gars Flügels sehr nahe übereinstimmt. Ob natürlich Walter einen vorgearbeiteten Rasten [Kasten?] verwendet hat oder nur den Stimmstock, ist eine Frage, die wir wohl nicht entscheiden können.

Versicherungswerte für historische Instrumente müssen hoch angesetzt werden, da man nie im voraus sagen kann, zu welchem Preis man ein ähnliches Instrument im Handel wieder erwerben kann. Ein Fagott der Mozartzeit kann mit etwa 400.-- DM Versicherungswert angesetzt werden, bei Klarinetten lässt sich im voraus ein Wert schlecht bestimmen, da man nicht weiss, ob es häufig vorkommende Klarinetten-Typen sind oder z.B. wie bei kleinen Klarinetten selten vorkommende Typen. Besonders schöne und signierte Stücke kann man mit etwa 50% höher bewerten. Fagotte aus der Barockzeit mit reicher Profilierung (vergl. Sachs-Katalog) gehören zu grossen Seltenheiten. Ich selbst besitze unter meinen ca. 20 Fagotten nur 2 - 3 solche Stücke, da sie aus der Uebergangszeit von Dulcian zum normalen Fagott stammen, sind sie grösstenteils verloren gegangen. Sie sind auch gering-klappig und diese Typen müssten mit 1000.-- DM angesetzt werden.

Nürnberger Trompeten des 17. Jahrhunderts gehören heute schon zu Seltenheiten und müssten mit mindestens 500.-- bis 800.-- DM bewertet werden, welche des 18. Jahrhunderts, ebenfalls signiert, mit ca. 500.-- DM. Wenn es sich aber um nicht verbeulte ganz tadelfreie Instrumente handelt, würde ich die Werte um 50% erhöhen.

Geis[s]enhof-Geige: Ich erinnere mich aus einem Besuch bei Pianohaus Jecklin, Zürich, dass in dessen Geigenabteilung eine allerdings sehr schöne Geis[s]enhof-Geige mit 2500.-- sfr. ausgezeichnet war. Dies liegt aber schon zurück aus der Zeit vor dem Kriege. Im übrigen werden Sie wissen aus der letzten Instrumentenbauzeitschrift, dass über die Echtheit alter Geigen ein regelrechter Geigenkrieg ausgebrochen ist, der sich bis dato noch nicht entschieden hat.

Stets gerne zu Ihren Diensten bin ich mir freundlichen Grüssen // Ihr".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1956,09,18
Schreibort
Nürnberg
Erwähnte Objekte
Hammerflügel
Tasteninstrumente
erwähnte Institutionen
erwähnt im Zusammenhang
Sammlungsbestand
erwähnt im Zusammenhang
Angebot Musikinstrument(e)
erwähnte Ereignisse
Typ des Ereignisses
Versicherung
Involviertes Objekt
Fagott
Marktwert
Wert von
400
Wert bis
1000
Währung
DM
Typ des Ereignisses
Versicherung
Involviertes Objekt
Trompete
Angebotspreis
Wert von
500
Wert bis
800
Währung
DM
Typ des Ereignisses
Angebot Musikinstrument(e)
Involviertes Objekt
Violine
Angebotspreis
Wert von
2500
Wert bis
2500
Währung
Schweizer Franken (CHF)
Involvierte Institution
Literaturreferenz
Sachs 1913
Sachs 1922