NL Rück, I, C-970g

"Lieber Herr Dr. Luithlen!

Ich bin wieder vom Urlaub zurück und möchte Ihre freundlichen Zeilen vom 27. Juni gleich beantworten.

Die Frage der Dämpferkonstruktion ist ja inzwischen durch die Ihnen von Basel zugekommenen Details glücklicherweise erledigt. Ich könnte Ihre Frage leider auch jetzt noch nicht beantworten, da ich in meinem Depot zu meinem eigenen Jean André Stein Flügel [MIR1097] immer noch nicht zukommen kann, ebenso wenig zu einem zweiten mit grösster Wahrscheinlichkeit ebenfalls von J.A. Stein gebauten allerdings unsignierten Flügel [MIR1104].

Leider kann ich Ihnen bezüglich der Besaitung und der Dämpfung Ihres Stein-Flügels keinen Bescheid geben, da ich den Flügel nur einmal innerhalb weniger Minuten besichtigt habe. Das richtigste in dieser Sache wäre doch wohl gewesen, wenn Sie die Restaurierung dieses Flügels meinem Hause übertragen hätten. Nachdem nun Herr Fiala die Restaurierung durchzuführen scheint, ist es doch das richtigste, wenn derjenige, der restauriert auch die auftauchenden Fragen verantwortlich entscheidet. Mein Haus hätte für die historisch getreue Restaurierung aufgrund seiner langjährigen Erkenntnisse und Werkstatterfahrungen natürlich gebürgt. Es macht nämlich schon seit einer Reihe von Jahren aus Gefälligkeit solche Restaurierungen für ausländische Museen, obwohl dadurch für viele meiner eigenen Instrumente zur Restaurierung keine Zeit bleibt.

Ich möchte nicht in diese Fragen eingreifen, wie gesagt schon aus dem einen wohl verständlichen Grund, weil ich den Flügel nicht vor mir habe, und Urteile über eine Sache abzugeben, die man nicht gesehen und genau studiert hat, ist nicht möglich.
Leider kann ich Ihnen auch Ihre Frage wegen anderer 2-chöriger Flügel der Mozartzeit nicht beantworten, da meine sämtlichen etwa 20 Flügel der Mozartzeit im Depot magaziniert und deshalb unzugänglich sind. Dieses Depot wird erst in einiger Zeit völlig geräumt und erst dann kann ich zu den Flügeln wieder hinzukommen. In der Sammlung steht spielbar nur der Ihnen ja auch bekannte Walter-Flügel der Dorothea von Kurland [MIR1099] und ein Flügel von Johann David Schiedmayer [MIR1102]: beide sind im Diskant aber 3-chörig, sodass sie als Vergleichsobjekt nicht in Frage kommen.

Ich werde sehr glücklich sein, wenn ich endlich in meinem neuen Depot zu meinen Instrumenten wieder kann, nachdem ich sie schon bald 15 Jahre überhaupt nicht mehr gesehen habe, woraus verständlich ist, dass mir die Details nicht mehr im Gedächtnis sind.

Ich muss Sie also leider heute enttäuschen, was mir persönlich recht leid tut, aber nachdem es sich noch dazu um sehr heikle technische Probleme handelt, werden Sie verstehen, wenn ich Vorsicht walten lassen muss.

Sonst wie immer sehr gerne zu Ihren Diensten, bin ich mit freundschaftlichen Grüssen // Ihr".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1955,07,25
Schreibort
Nürnberg
Erwähnte Objekte
Hammerflügel
Tasteninstrumente
Hammerflügel
Tasteninstrumente
Hammerflügel
Tasteninstrumente
Hammerflügel
Tasteninstrumente
Hammerflügel
Tasteninstrumente
erwähnte Personen