NL Rück, I, C-0570n

"Sehr geehrter Herr Doktor!

Mit herzlichen Dank empfing ich soeben Ihren werten Briefe. Da haben Sie in Ihrem Urlaub wieder riesig gearbeitet.

Zuerst aber die Berliner Sendung. Das Kistchen mit der Gitarre habe ich bereits am 12. zu H. Gertung bringen lassen (nach Anforderung) und ist vielleicht schon irgends beigepackt. Der Transport soll Ende dieses oder Anfang Juli spätestens abgehen. H. Haid schrieb mir am 18.5. nur von dem Organum Klavier und einem Spinett. Also muß ich die Rechnung auch in der Weise ändern, den Preis werde ich so belassen. Ich schicke die Rechnung auch heute ab.

Der gute Hans will meines Erachtens wohl beweisen das der Flügel überhaupt nicht von Mozart sei, denn soviel ich mich entsinne existiert von den Nachkommen welche den Flügel abgeben ein Schreiben wo Mozart selbst vom Erbauer Walter die Hämmer wieder neu 'füttern' lies. Sollte da vielleicht Neu... [Neupert] im Spiele sein? Schließlich sind die einzigartigen Handhebel (Forte) auch ein Beweiß, daß es nicht von Walter? Alle alten Klaviermacher haben wohl selten 2 gleiche Instrumente gebaut und es scheint mir bevor das eine fertig, schon wieder neue Pläne Verbesserungen oder Versuche für das nächste fest lagen. Also wundert mich nicht wenn auch in der Tastenführung einmal Abweichung zu finden ist. Ganz richtig der übliche Hinterdruck blieb. Auch die hohen Bäckchen ist offenbar ein Versuch präziser Tastenführung. Man brauch nur einen Tasten niederdrücken, daß der Hammer der Saite steht, dann den Tasten etwas nach rechts oder links drücken sieht man wie der Hammer sich nach den Saiten verschiebt. Die Tastenenden in der Fächerführung sind einzeln eingepaßt und die Kanten gerundet weil sonst das Leder abgescheuert wird also kann der Tasten sich leicht drehen mitthin ist die genaue Stiftführung bedingt, was selbstverständlich je höher die Bäckchen (oder die Tasten) je besser die Führung. Die unteren Bäckchen scheinen mir nur die Stiftführung zu sein und darüber der Tasten weit ausgebohrt. Das untere Ausstechen der Tasten betrifft nur die Halbtöne weit bis zur Reise der Vordertastenstifte der Wagbalke gerade verläuft und nicht abgeschrägt ist.

Eine besondere Art, daß die Fächer beledert sind. Die Garnierung weisen im allgemeinen die Tasten auf und sind Leder, Filz auch Kork, teils eingeschnitten (vergleich Schmahl) teils aufgeleimt. Man trifft dies meist bei Tafelklavieren nicht bei Clavichorden und Spinette, bei Flügeln ist mir außer Stein heute nichts mehr in Erinnerung. Aber bei aufrecht stehenden Flügeln war es wohl allgemein, auch Wiener. Nochmals die unteren Tastenbäckchen. Sollte das Holz quer laufen so kann ich mir erklären, daß damit ein ausleiern reduziert werden sollte. Der Tasten lang, das Bäckchen quer giebt noch vier Seite Hirnholz.

Mir schwebt wohl vor, daß ich schon Schwalbenschwanzführungen gesehen, kann aber nur bei späteren gewesen sein.

Auch, daß der Resonanzboden im Baß durch das Dreieck verkleinert wurde war mir beim Mozartflügel nicht neu, nur, daß der Resonanzboden durchläuft und auf den schräg verlaufenden Damm festgeleimt ist. Wenn ich mich recht entsinne haben Sie selbst einen solchen aufrechtstehenden Flügel, also auch spätere Zeit. Der Stein Flügel hat meiner Erinnerung einen ganzen freien Boden.

Gleich nach Empfang des Briefes vom 18.5. ging ich zu Bl. traf aber Herrn Gruber nicht an wurde zu H. Hamann gewiesen (der zuständ. Herr für Transportwesen gab mir die Erklärung was für diesen Transport erforderlich ist. Schon seid April stehe ich mit Mannborg in Verbindung und habe kaum den Abruf gewartet und am 12.6. das Kistchen eingeliefert.

Die Lautenzüge sind alle 6 eingebaut und hoffe, daß das Abdämpfen jetzt Ihrem Wunsche entspricht. Auch habe ich die Spinette nochmals durchgearbeitet, die Birke war stark eingetrocknet und mußte nochmals polieren. Die 3 Stg Hammerstiele habe ich auch fertig und werde noch die Hammerköpfe beledern dann ist meine Arbeit erschöpft[.]

Ich hoffe, daß Sie aus meinen Angaben das Gewünschte ersehen können und verbleibe herzlichst grüßend // Ihr sehr ergebener // Otto Marx

Herzlichen Dank für die schöne // Salzburger Karte hat mich sehr gefreut."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1951,06,23
Schreibort
Leipzig