NL Rück, I, C-0570n

"Lieber Herr Marx!

Wegen der Gitarre sah ich nunmehr in Erlangen nach. Die Gitarren-Wirbel bei doppelchörigem Bezug mit 5 Choren gehen, was Sie ja auch wissen, von rückwärts nach vorne. Vorne trägt der Wirbel ein Loch und durch dieses Loch ist die Saite geschlungen. Unten sind die Saiten in den Anhang eingeknotet, genau wie bei Lauten. Ich fand bei der schönen Goldberg-Laute, die das Tiroler Dirndl als Wirbelkastenbekrönung trägt, Wirbel in ganz ähnlicher Art, wie wir beide sie in der Form jetzt festgelegt haben, sodass wir also historisch richtig dachten.

Die Zeichnung für das Notenpult ist momentan sp[ur]los in irgendeinem Akt verschwunden, weshalb ich leider nicht damit dienen kann. Wir müssen warten, bis sie sich wieder findet, was ja früher oder später der Fall sein wird.

Dankend bestätige ich den Empfang Ihrer 4 Päckchen mit den einzelnen Mechanikteilen zum Walther-Flügel. Ich sende Ihnen separat als Drucksache die Zeichnung der Walter-Flügel-Mechanik und bäte Sie, davon ein Modell zu machen. Auf der Zeichnung sind die Masse für das letzte Diskant - f angegeben.

Ferner bräuchten wir das Modell einer modernen Pianino-Mechanik. Ich erbat bei Renner-Stuttgart alle einzelnen Mechanikteile dazu und sende Ihnen diese nach Erhalt, aus denen Sie ja dann ein Mechanikmodell machen können.

Ferner bäte ich Sie bei Flemming vorüberzugehen und um alle Teile zu einer Flügel-Mechanik zu bitten, damit Sie uns mit diesen Teilen auch ein modernes Flügelmechanikmodell anfertigen können. Ich schreibe mit gleicher Post an Flemming und lege Ihnen Durchschlag bei. Falls natürlich Flemming derartige Modelle vorrätig hat, wäre es noch einfacher, ein fertiges Modell von ihm zu erwerben und dieses dann an Herrn Gertung-Mannborg zu geben, damit er es beipacken kann. Bitte besprechen Sie dies mit den Herren.

Betr. Gitarren-Bezug.

Ich finde in einem Buch von Fritz Buek über die Gitarre, wonach das tiefe A ursprünglich nur besponnen war. Weil aber die D-Saite sehr stumpf klang, hat der weimarische Instrumentenbauer Otto um 1790 herum auch das zweite Chor, also das D-Chor, übersponnen.

Im Kinsky-Katalog findet sich die Angabe, dass die drei höheren Saiten Darmsaiten, die drei tieferen mit Kupfer- oder Silberdraht übersponnene seidenen Saiten sind. Die Saiten sind verknotet im Anhängesteg. Dagegen findet sich unter Nr. 533 Gitarre Sellas Bezug: 5 doppelte Darmsaiten in folgender Stimmung: G - C - F - A - D oder häufiger: A - D - G - H - E, ebenso die Nr. 534 und 535 5 doppelte Darmsaiten, ebenso Nr. 536.

Dementsprechend wären alle mit 5 Doppelchoren bezogene Gitarren durchwegs mit Darm bezogen. Korpuslängen betragen: Nr. 533 - 46,5 cm. Nr. 534 - 44 cm. Nr: 535 - 44,5 cm. Nr. 536 - 45,5 cm. Die gesamten Längen variieren zwischen 96 und 94 cm.

Aus den Abbildungen im Heyer-Katalog ist leider nicht zu entnehmen, ob diese fünf doppelchörigen Gitarren in der Tat mit Darm überzogen sind, da die Klischees dies nicht genau wiedergeben.

Soeben finden wir die ganzen Unterlagen für die Notenpultzeichnungen. Ich gebe Ihnen aber noch separat einen Abriss der beiden Notenpultbacken und der Notenpultleisten von dem frühesten Walter-Flügel. Zu diesem benötigen wir also lediglich das Blatt zum Einsetzen in den Schlitz. Das Blatt müsste also an der Stelle des Schlitzes eine Breite laut Zeichnung haben.

 

[Rückseite]

Nürnberg, 5. Februar

Lieber Herr Marx!

Ich studierte gestern nochmals genau nach der Fotografie, auf welcher die 4 Mozart-Flügel abgebildet sind, das Bild des Notenpults und fand gegenüber der Zeichnung des originalen Notenpultes zwei Abweichungen:

1. an der Bekrönung des Pultes unterhalb des roten Buchstaben E (Nach der beiliegenden Zeichnung von Katholnigg, Masse des Notenpultes vom originalen Walter-Flügel W. A. Mozarts) fällt die kleine seitlich abgeschrägte Abdachung weg. Die Bekrönung schliesst mit dem Mass 10 mm ab, das ich zur Verdeutlichung rot unterstrichen habe. Auf dem Pult des Original-Flügels sind oberhalb der viereckigen, sogen. Wassertropfen vier Lagen übereinander 1,5 + 8% 1,5 + ca. (das Mass nicht eingezeichnet) 3 mm dieser oberste, ca. 3 mm hohe Abschluss fällt also bei dem neu zu machenden Pult weg.

2. Auf der Zeichnung des Originalen Pultes findet sich oben und unten je eine aufgelegte, 33 x 35 mm messende Platte. Diese Platte ist bei dem frühesten Walter-Flügel, dessen Pult Sie anfertigen möchten, nur oben vorhanden, nicht aber unten, also nicht an der Stelle, wo das Pult eingesteckt wird. Demgemäss muss sie also hier wegfallen.

3. Das neue Pultblatt ist in der Höhe etwas niedriger zu halten als das Pultblatt am Original-Flügel.

4. Die Querspreize des Pultblattes sitzt am originalen Flügel, nach oben und unten gerechnet, schon so, dass der lichte Raum nach oben und unten hin etwas verschieden ist. Der untere lichte Raum ist etwa um 3 mm niedriger als der obere lichte Raum. Diese 3 mm markiere ich auf der beiliegenden Zeichnung des Pultes des orig. Flügels durch eine grüne Linie.

Bei dem anzufertigenden Pult war die mittlere Spreize der Fotografie nach noch etwas tiefer zu setzen, sodass die beiden Höhenzwischenräume deutlich verschieden hoch werden müssen.

Ich lege Ihnen die Fotografie des o. Walter-Flügel bei, aus der Sie unter Zuhilfenahme einer Lupe ohne weiteres das Geschilderte entnehmen können.

Mit herzlichen Grüssen // wie immer Ihr

Anliegend Fil[?]
Mechanik des ([?]
laut anliegen[?]".

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1951,01,17
Schreibort
Nürnberg