NL Rück, I, C-0444c

Ulrich Rück bestätigt Georg Kinsky, den Brief vom 27.10. erhalten zu haben, und dass er ihm bereits 50 Mark "aus meinen mitgenommenen Barbeständen" per Brief geschickt hat. (Wahrscheinlich der erwähnte, nicht erhaltene Brief vom 2. November, siehe Brief vom 3. November.) "Obwohl unser Postscheckkonto z.Zt. auch infolge der katastrophal schlechten Zahlungseingänge sehr knapp ist, will ich Ihnen doch für dieses Mal Ihren Wunsch erfüllen und überweise heute Ihrem Postscheckkonto weitere 50.-."

Kinskys Marktwerteinschätzungen zu den von Steingraeber angebotenen Instrumenten vom 27. Oktober hat er erhalten. Schlägt vor, dass Kinsky zunächst mit Margarethe Steingraeber über die generelle Absenkung der Preise verhandelt, da sie ja selbst um Kinskys hilfe diesbezüglich gebeten hat. "Auf diese Weise wird es eher möglich sein, in eine Preisbewertung zu kommen, die es uns gestattet, eines der Instrumente anzukaufen. Wenn wir jetzt schon direkt mit der Dame hierüber verhandeln, glauben wir, dass es zu früh ist und es wird besser sein, wenn vorerst Sie die Verhandlungen führen." Legt Kinsky den Durchschlag eines entsprechenden Briefes an Frau Steingraeber bei.

Wird das von Wennerscheid angebotene italienische Cembalo nicht kaufen, da er überzeugt ist ähnliche Instrumente in Italien billiger finden zu können. Bittet Kinsky, ihn über die Verhandlungen mit Steingraeber in Form von Durchschlägen auf dem Laufenden zu halten.

Von Prof. Theodor Kroyer (Universität Köln, von Rück fälschlicherweise "Krojer" geschrieben) habe er noch keine Antwort erhalten.

Die angekündigten Instrumente von Josef Lülsdorff hat er noch nicht erhalten. Lülsdorff möchte außerdem nun doch 400 Mark für die Gitarre, wozu Rück erst nach Ansicht des Instruments Bezug nehmen kann.

Aus Südtirol wird Rück ein kleines Cello, gut erhalten, undatiert, mit folgenden Maßen angeboten: "Korpuslänge 58 1/2 cm, ober[e] Breite 27 cm, untere Breite 35 cm, ganze Länge mit Schnecke, aber ohne Stachel 94cm. Schnecke mit 4 Wirbeln, Entfernung vom oberen Zargenrand bis Beginn des F-Loches 30 1/2 cm, Mensur bis Steg Mitte 51 cm." Schätzungsweise aus Mittenwald, Zargenhöhe (ohne Decke und Boden) 9 1/" cm. Bittet um Kinskys Meinung, ob das Instrument als Violocello piccolo bezeichnet werden kann, oder ob es sich um ein halbes oder ein Kinder-Cello handelt. Das Instrument sei vergleichbar mit Nr. 904 (wahrscheinlich war das Violoncello piccolo Nr. 934 gemeint) und 935 der Heyer-Sammlung (Kinsky 1913, heute Grassi Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Inventarnummern gleichbleibend). Angebotspreis: 110 Mark. "Könnte das Instrument für Bach-Aufführungen als Violon-Cello Piccolo gelten, oder ist es [ein] typisches Kinder-Cello?" Könnte bei Bedarf ein vielleicht auch ein Foto machen lassen. Rück plant für die Sammlung "ein kleines Bach-Instrumentarium einzurichten, ähnlich wie es Krojer [recte: Kroyer] im Heyer-Museum eingerichtet hat, natürlich nicht in der dort möglichen Vervollkommnung. Als Violon-Cello Piccolo dient dort das Instrument Nr. 933 der Heyer Sammlung."

Nennt zum Vergleich ein "kleines Cello" der Sammlung Rück: "Korpus-Breite oben 28 1/2 cm, unten 34 cm, Korpuslänge 58 cm, Gesamtlänge bis zur Schnecke, ohne Stachel 100 cm, Zargenhöhe innen gemessen 9,2 cm, Boden ganz flach. Es ist signiert: Andreas Ferdinandus Mayr, Hofflauten und Geigenmacher Salzburg, anno 1752." (Heute Mozarteum Salzburg.)

Nennt ein weiteres Cello von "Mathias Johannes Kolldiz, Lauten und Geigenmacher in München, 1712" mit gewölbten Boden, Bodenstimmriss und Wurmgängen ebendort und in den Zargen. "Unterhalb des Griffbrettes ist ein kreisrundes geschlossenes Lock, F-Löcher." Rück gibt auch hier die Maße an: "Länge 59 cm, obere Breite 28 cm, untere Breite 34,8 cm, ganze Länge mit Schnecke 99 cm, Zargenhöhe 8,6 cm."

Bittet um Einschätzung zu allen drei Instrumenten.

(Rest des Brief-Durchschlages in neuer Farbe.)

Vor kurzem hat Rück mit Dr. Josef Ringler, "Direktor des Volkskunst-Museums in Innsbruck" wegen einem möglichen Tausch von Dubletten verhandelt. Dieser ist auf der Suche nach jemanden, der einen Artikel über Hackbretter für eine Tiroler Volkskunst-Zeitschrift schreiben könnte. Rück hat dafür Kinsky empfohlen und bittet diesen, sich bei Ringler persönlich zu melden und alles weitere zu vereinbahren. Über Kinskys Situatiun habe er ihn schon informiert und Ringler wird das Honorar mit der Zeitschrift klären.

Legt dem Brief den "oben erwähnten Marktbetrag" bei. (Gemeint sind wohl die 50 Mark zu Beginn des Briefes.) Bittet Kinsky um eine Aufstellung der noch ausstehenden Liquidation.

Erhält soeben Kinskys Brief zu dem angeblichen Bach-Portrait von Tischbein, womit die Sache erledigt sei. Bittet Kinsky für Rück nach einem "guten grösseren Bach-Stich nach dem Leben" die Augen offen zu halten. Bedankt sich für den Mozart-Stich.

Lehnt die angebotenen Automaten-Werke ab, da sie für die zur Verfügung stehenden Räume zu sperrig sind und Rück sein "geringes Kapital" für andere, wichtigere Instrumente aufsparen will. Wird vielleicht später einmal darauf zurückgreifen und schickt Kinsky die Überlassenen Einlagen zurück.

Hat zu dem Züricher Notendruck keine Rückmeldung erhalten und schickt diesen zurück, zur Weitergabe an die Buchhandlung (Köln, Lengfeld'sche Buchhandlung). Legt "die versprochenen Lebkuchen" bei. "Ev. Spesen trage ich natürlich."

Ergänzt noch zum Hackbrett-Artikel, "dass wir kürzlich im September Gelegenheit hatten, einen sehr guten Hackbrettspieler in Osttirol ausfindig zu machen und eine Gegend zu bereisen, in der Hackbretter heute noch mit Begeisterung von Violine und Guitarre gespielt werden. Wir hatten Gelegenheit, einige Stunden lang die Spieler zu hören und haben zwei Fotographien von dem Trio aufgenommen, die wir Ihnen für den Artikel gegen Nennung unseres Autornamens gerne zur Verfügung stellen werden."

Fragt Kinsky, ob die letzte Auflage von Lütgendorffs Lexikon zu Geigen- und Lautenmachern (Lütgendorff 1922a und b) antiquarisch erhältlich ist, zu welchem Preis oder ob in nächster Zeit eine Neuauflage geplant ist, "dann würden wir nämlich mit dem Kauf warten, weil wir die einbändige Ausgabe bereits besitzen."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1932,11,04
Schreibort
Nürnberg
Erwähnte Objekte
Gitarre
Zupfinstrumente
erwähnt als
Preisverhandlung
erwähnt als
Detailinformation(en)
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Violoncello piccolo
Streichinstrumente
erwähnt als
Vergleichsobjekt(e)
Violoncello piccolo
Streichinstrumente
erwähnt als
Vergleichsobjekt(e)
Violoncello piccolo
Streichinstrumente
erwähnt als
Vergleichsobjekt(e)
Violoncello piccolo
Streichinstrumente
erwähnt als
Vergleichsobjekt(e)
Violoncello piccolo
Streichinstrumente
erwähnt als
Vergleichsobjekt(e)
Bild
erwähnt als
Ankauf
erwähnt als
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
erwähnte Institutionen
erwähnt im Zusammenhang
Angebot Musikinstrument(e)
erwähnt im Zusammenhang
Angebot Musikinstrument(e)
erwähnt im Zusammenhang
Kontaktinstitution
erwähnt im Zusammenhang
Ausstellung
erwähnt im Zusammenhang
Kontaktinstitution
Tauschangebot
erwähnt im Zusammenhang
Bestellung Literatur
erwähnte Ereignisse
Typ des Ereignisses
Preisverhandlung
Involviertes Objekt
Gitarre
Angebotspreis
Wert von
400
Wert bis
400
Währung
RM
Involvierte Person
Köln
1932,11,04
Typ des Ereignisses
Angebot Musikinstrument(e)
Angebotspreis
Wert von
110
Wert bis
110
Währung
RM
Südtirol
1932,11
Typ des Ereignisses
Ankauf Grafik
Bild
Involvierte Person
Nürnberg
1932,11
Literaturreferenz
Kinsky 1912
Lütgendorff 1922a
Lütgendorff 1922b