NL Rück, I, C-970e

"Lieber Herr Doktor!

Ich hoffe, dass Sie inzwischen die Silbereosin-Platten durch Vermittlung meines Freundes Katholnigg-Salzburg erhalten haben.

Inzwischen hätte ich noch ein paar weitere fotografische Wünsche:

1. eine gute Aufnahme des Bildes von Anton Walter von Ihnen zu bekommen. Ich habe zwar seinerzeit von dem anderen Anton Walter-Bild eine Fotografie durch Herrn Dr. Franz erhalten, aber diese ist zu klein, um sie auf ein richtiges Format vergrössern zu können.

2. Es liegt doch in Ihrer Sammlung aus der Bibliothek der Gesellschaft der Musikfreunde die Broschüre von Röllig über die Orphika, Wien 1795 bei A. Blumauer. In meinem Exemplar sind folgende Kupfer enthalten:

a) vor dem Titelbild das Instrument von oben und von der Seite gesehen

b) nach Seite 14 ein Kupfer: sitzende Dame spielt die Orphika

c) nach Seite 16: stehender Herr spielt die Orphika.

Nun entsinne ich mich aber dunkel, dass Sie mir seinerzeit weitere Kupfer aus Ihrem Exemplar fotografieren liessen und mir die Negative sandten. Oder täusche ich mich? Ich bäte Sie freundlich, nachzusehen, ob in Ihrem Exemplar tatsächlich weitere Kupfer vorhanden sind und wenn ja, bäte ich hiervon je um ein Negativ, um mein Exemplar komplettieren zu können. Es kann aber auch, wie gesagt, sein, dass ich mich täusche.

Weiter hätte ich eine grosse Bitte an Sie: ich will die Sammlung in Erlangen durch Vierfarbdrucke möglichst repräsentativen Formats ausschmücken. Hier bekam ich folgende Drucke:

1. Terborch, Das Konzert, 2. Antonis van Dyck, Die Gattin des Künstlers mit einem Gambenbogen, 3. Meister der weiblichen Halbfiguren, 3 musizierende Damen, 4. Grünewald, Engel vom Isenheimer Altar, 5. Mittelrheinischer Meister um 1420, das Paradiesgärtlein, 6. Bernardo Strozzi, Der Pommerspieler, 7. Watteau, Die Musikstunde, 8. Michelangelo, da Caravaggio, Die Lautenspielerin (Liechtenstein-Galerie[)], 9. Kupezky, Der Blockflötenbläser, 10. Moritz von Schwind, Ein Schubert-Abend bei Spaun.

Es fehlen mir aber noch einige wichtige Drucke, die sich auf Instrumentenkunde beziehen und die ich so frei bin, Ihnen in der Beilage zu benennen. Ich habe gleichzeitig die betr. Seiten aus Kinsky, Geschichte der Musik in Bildern, Sauerlandt, Musik in der Malerei, Moreck, Musik in der bildenden Kunst, soweit angegeben, um die Bilder zu identifizieren.

Leider sind sowohl bei Bruckmann wie bei Hanfstaengl und Piper praktisch alle Drucke verbrannt und soviel wie nichts mehr vorhanden. Ich könnte mir aber denken, dass der eine oder andere Wiener Kunstverleger noch welche hat. Vielleicht wäre auch bei Schroll & Co. etwas zu bekommen. Ich wäre Ihnen für Ihre Hilfe in dieser Sache sehr zu Dank verbunden und stehe mit litererischen Gegengaben gerne zu Diensten. Gleichzeitig darf ich anfügen, dass die Drucke in österr. Schillingen von befreundeter Seite für mich bezahlt werden könnten und dann zu senden wären an

Herrn Alfred Heidl, Generalsekretär der Stiftung Mozarteum, Salzburg, zur Verfügung Dr. Rück.

Am liebsten wäre mir allerdings, vorher ein Offert zu bekommen, um wenigstens ein Bild zu haben, welche Preise dafür heute verlangt werden. Als ich noch in Wien war, bezahlte ich beispielsweise für die Lautenspielerin aus der Liechtenstein-Galerie RM 20.-. Wolfrum war ja immer sehr entgegenkommend.

In Amerika sind einige belangreiche Neuerscheinungen auf instrumentenkundlichem Gebiet herausgekommen, deren Titel ich Ihnen untenstehend angebe. Wir können diese Werke jetzt bereits in Deutschland zu D-Mark kaufen, etwa 20% über dem offiziellen Kurs.

Prof. [Heinrich] Besseler, Heidelberg, soll eine kleine Studie über die Tenorviola (Viola Pomposa) herausgegeben haben, die ich mir soeben über Steglich von ihm erbitte. Ev. könnte ich dann ein zweites Exemplar für Sie loseisen.

Gestern besuchte mich Dr. Kinsky, der aber nurmehr bibliophil arbeitet, nicht mehr in Instrumentenkunde. Er reiste nach Wildegg, Kanton A[ar]gau in der Schweiz, zur reichen Familie Flörsheim, um deren weltberühmte Autographensammlung druckfertig für die Katalogisierung zu machen. Er versprach mir, aus der Berliner Bibliothek von Eisel, Musicus Autodidacticus, eine Fotokopie machen zu lassen. Haben Sie dieses wichtige Quellenwerk? Ev. könnte auch für Sie eine Fotokopie gemacht werden. Leider verbrannte es mit so vielem anderem auch bei mir.

Haben Sie ein Separatum der Kinsky'schen Arbeit über Beethovens Klaviere? Diese Arbeit suche ich brennend, hatte sie, glaube mich dunkel zu erinnern, dass sie in der Zeitschrift für Instrumentenbau erschien. Sollten Sie die Möglichkeit haben, mir eine Abschrift fertigen zu lassen, wäre ich sehr dankbar. Vielleicht könnten Sie dann gleich ein paar Durchschläge mehr anfertigen lassen für befreundete Museen.

Zu Gegendiensten stehe ich gerne zur Verfügung. U.a. könnte ich Ihnen einen Durchschlag des kleinen Führers von Sachs durch die Berliner Sammlung übermitteln.

Wie bereits geschrieben, kann ich Ihnen von jetzt ab mit Reparaturmaterial wieder helfen.

Was machen Frau Klapsia und ihre Tochter? Ich sprach damals mein Beileid aus, bekam aber leider keine Antwort, ebensowenig von Kommerzialrat Siller. Sollte Sie Ihr Weg in unser liebes Café Demel führen, bitte ich dort allseits zu grüssen.

Ich komme noch im September auf ein paar Tage nach Salzburg, wenn alles klappt. Es wäre fein, wenn Sie zufällig auch dort zu tun hätten und wir uns träfen. Meine Adresse ist bis 10.d.M. Nürnberg, ab dort: Markt Schellenberg Obb., Gasthof 'Schafferwirt'.

Ich würde mich freuen, recht bald von Ihnen zu hören und grüsse Sie inzwischen herzlich in alter Verbundenheit // als Ihr

 

Neu Werke:

Curt Sachs, The History of Musical Instruments, New York: // W.W. Norton & Company, 1940, Inc. 1 vol. in 8°

Curt Sachs, the Rise of Music in the Ancient World East and West // New York, W.W. Norton 1943

Karl Geiringer, Musical Instruments, their history in Western Culture. // Trans. by Miall, edited by W.F.H Blandford, well illustrated, 194[6]."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1949,09,02
Schreibort
Nürnberg
Erwähnte Objekte
Literaturreferenz
Röllig 1795
Eisel 1738
Kinsky 1949
Kinsky 1929
Sauerlandt 1922
Moreck 1924a
Sachs 1925
Sachs 1940
Sachs 1943a
Geiringer 1946a