NL Rück, I, C-0444b

Ulrich Rück schreibt Georg Kinsky aus seinem Urlaubsziel Soprabolzano, dass sich ihren letzten Briefe gekreuzt haben. Der von M. J. Goldschmidt geforderte Preis von 1.100 RM für die Glasharmonika ist zu hoch, der Verkäufer möge sein Glück in den USA versuchen. Wegen der ebenfalls von Goldschmidt angebotenen Vuillaume-Geige kann sich Rück nicht äußern, da ihm der Hintergrund fehlt und Details nicht bekannt sind, auch hat er den zweiten Band des Heyer-Katalogs nicht bei sich, um nachzuschlagen. Ist daher einverstanden, wenn Kinsky das Instrument einem anderen Interessenten verkauft.

Von Grete von Diergardt hat er aus Meran Post erhalten, wonach sie an einem Verkauf des Querhammerflügels von Christian Gottlob Hubert an Rück interessiert ist. Das Instrument befinde sich bei Horsbroich bei Schlebisch bei Köln, wobei Rück nicht weiß, ob Horsbroich den Standort oder Familiennamen bezeichnet. Bittet, dass Kinsky das Instrument besichtigt, sofern kein allzugroßer Aufwand damit verbunden ist. Möchte näheres über die anstehenden Kosten für eine Instandsetzung wissen. Aus München wurde den Rücks ein Hammerflügel im Louis XVI-Stil angeboten, der jedoch im Diskant stark verzogen ist, sodass die Saiten keinen Kontakt zum Steg mehr haben. Die Instandsetzung scheint sich aufwendig und damit teuer zu gestalten. Hubert hingegen besitzt den Ruf eines ausgezeichneten Klavierbauers. Möchte wissen, ob der Hubert-Flügel Holz- oder Messingkapseln besitzt. Erbittet weiterhin eine Fotografie. Brüder Rück haben sich für Anfang November bei Frau von Diergardt in Meran angemeldet und sind auf die Preisverhandlungen gespannt, möchte nach Möglichkeit aber zuvor von Kinsky eine Preisermittlung haben. Die Brüder Rück sind am Erwerb interessiert, da sie einen spielfähigen Hammerflügel der Mozartzeit suchen. Das Antwortschreiben der Frau von Diergardt legt Rück zur Kenntnisnahme mit der Bitte um Rückgabe bei.

Legt drei Fotos [nicht erhalten] von Orgeln bei, die sie in der Nähe von Soprabolzano gefunden haben. Ein vergleichbares Instrument glaubt Rück in der Berliner Sammlung gesehen zu haben. Zum Ankaufspreis müssen noch Transport und Zoll gerechnet werden, die erfahrungsgemäß bei 150 bis 180 RM liegen dürften. Die Orgel hat kurze Oktave plus drei vollständige Oktaven, Keilbalg, zwei Register Holzpfeifen, eines Zinnpfeifen, beschriftet mit Oktav, Sup-Oktav, Flaut. Im Unterboden sind acht Messingdrähte sichbar, dazu separate Holzpfeifen, was Rück als Pedalreste deutet. Tasten sind grob gearbeitet, Obertasten schwarz gebeizt, Untertasten wohl Pflaume oder Zwetschge. Das Instrument soll aus einem Kloster bei Brixen gestanden haben und erst 1820 an den jetzigen Standort gekommen sein. Vergleichbares Werk fand Rück in einer Kirche bei Brixen mit Jahreszahl 1593, renoviert 1833; Pedaltasten fehlen, Winderzeugen mittels Lederriemen, was er für jüngere Zutat hält.

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1931,10,23
Schreibort
Soprabolzano, Hotel Friedl
Erwähnte Objekte
Glasharmonika
erwähnt als
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Violine
erwähnt als
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Querhammerflügel
Tasteninstrumente
erwähnt als
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Tasteninstrumente
erwähnt als
Angebotene(s) Musikinstrument(e)
Literaturreferenz
Kinsky 1912