NL Rück, I, C-0873i

Lieber Herr Dr. Rück,

da ich gestern nach 5 weder Sie noch Herrn Dr. Kl.[arner] vorfand, ahnte ich schon, daß es bei Gossen mit der Raumbeschaffung nicht so schnell geht, hoffte aber doch noch auf günstige Erledigung. Heute, Samstag 1 Uhr Mittag finde ich nun Ihren Eilbrief vor. Da ist nun freilich heute u. die Feiertage bei SR [Siemens-Reiniger] nichts mehr zu machen, zumal da ich keinerlei persönliche Beziehungen dorthin habe. Ich kann erst gleich nach den Feirtagen einen Vorstoß versuchen u. hoffe, daß der dann zum Ziele führt. Übrigens bekomme ich in 1-2 Wochen noch den anschließenden Raum in der Orangerie, der bisher Dekanatsgeschäftszimmer war, zum Seminar dazu. Da lässt sich zwar nicht viel stellen, aber doch ein paar Instrumente, die zunächst für Vorführungen in Frage kommen, das wäre immerhin etwas, u. von da aus ist dann vielleicht um so eher auch die Unterstützung der maßgebenden Stellen bei der Stadt usf. zu gewinnen. Übrigens lasse ich auch bei Dr. Klarner nicht locker.

Hoffentlich hat Ihre Münchener Reise ein gutes Ergebnis! Ich halte feste den Daumen! Und falls Sie gar von da aus nach Salzburg kommen, bitte ich auch da die bekannten Herrschaften zu grüßen!

Gern hätte ich Sie natürlich schon vor Ihrer Münchener Reise nochmals erwischt, aber das ist auch angesichts Ihrer anderen Feiertagsvorhaben doch ein bissl schwierig.

Der Raum, den ich in 8 Tagen in der Orangerie dazukriege, hat 4,50 x 5,50 qm, und ich hatte die Absicht, vor allem das Concertcembalo hineinzustellen. Sie können daraus ermessen, was etwa noch hineingeht.

Alle guten Wünsche u. herzl. Grüße // Ihr Steglich.

[Seitlich:] Frl. Kübler hat mir noch einige nette Notenhefte für Sie übergeben!

Eben will ich den Eilbrief zur Post schaffen, da kommt Herr Dr. Redenbacher, dem - als Vorstandsmitglied des Gemeinnützigen Vereins ich von dem Plan erzählt hatte, Ihre Sammlung bei Gossen oder Siemens unterzubringen. Er berichtet: Die Stadt Erlangen möchte gern den Saal der Lammlichtspiele in der Hauptstraße (250 Personen fassend) irgendwie anders verwenden, da keine Filmappa[ra]tur mehr da sei u. auf lange Zeit auch nicht wieder zu kriegen. Er habe nun mit dem Stadtrechtsrat Dr. Hiltl darüber gesprochen, ob etwa Ihre Sammlung dort un[ter]gebracht werden könnte, und Hiltl war davon durchaus angetan. Allerdings will die Stadt etwas Miete dafür haben. Aber dort könnten die Instr. doch so aufgestellt werden, daß durch durch Führungen und Aufführungen manche Einnahemn zu erzielen wären, also wohl noch mehr als die [Mie]te herauszuwirtschaften sein müßte. Auch ist der Raum sofort zur Verfügung, wenn nötig. Mir scheint die Sache recht günstig.

Ich bin gern bereit, wöchentlich 1 oder 2, notfalls auch mehr Führungen mit Beispielen, also kleinem Konzert zu machen. Die wachsende Universität mit über 4000 Studenten, dazu allerlei zugezogene musikalisch Interessierte würden das gewiß tragen. An den Feiertagen werden die herren im Rathaus allerdings nicht zu sprechen sein, allenfalls Dr. Redenbacher selber. Ich will Dienstag nachmittag mit ihm mal die Lokalität besichtigen. Übrigens würde der Gemeinnützige Verein die Sache auch von sich aus unterstützen. Ich glaube, Sie können diesen Plan ohne Risiko annehmen!

Wenn Sie dieserhalben Montag herkommen wollten - ich bin zu Hause. Aber - wie gesagt - Verhandlungen mit Rechtsrat bez.  Bürgermeister werden am Feiertag nicht möglich sein. Auch ohne die aber scheint mir die Sache sicher, wenn Sie wollen.

Nochmals herzlichste Grüße! // Ihr RSt."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1946,06,08
Schreibort
Erlangen
erwähnte Institutionen
erwähnt im Zusammenhang
Neuaufstellung
Gebäude
erwähnt im Zusammenhang
Neuaufstellung
Sammlung