NL Rück, I, C-0873i

"Lieber Herr Professor!

Ich danke bestens für Ihre freundlichen Wünsche mit Ihrem Brief vom 21. Okt., die mich sehr freuten. Allerdings fürchte ich, dass diese nicht so rasch in Erfüllung gehen, denn ich stosse überall auf derartige Schwierigkeiten, dass ich am liebsten die Hände in den Schoss legen und überhaupt nichts mehr unternehmen möchte. Vom Baubeginn keine Rede, weil es an allen Materialien fehlt. Von Sighartstein schon wieder seit Wochen nichts gehört, für Räumung von Kohlstein und Volsbach kein Auto vorerst zu bekommen, sodass die Aussichten auf Füllung des Depots vorerst sehr gering sind. Ich werde offengestanden müde und verliere jegliche Lust Weiteres zu unternehmen, umsomehr, als ich mangels eines Quartiers nicht nach München kann, um von dort aus Sighartstein weiter zu betreiben. Ob uns wohl Prof. Brenner weiter helfen kann? Offengestanden, ich sehe eigentlich nicht mehr recht ein, warum ich mir in meinem Alter all diese Bürden aufladen soll, ohne irgendwelche Hilfe, sei es beim Bauen oder bei der Rückführung der Depots. Wenn nicht Graf Uiberacker [ein] solch hochanständiger Mensch wäre und seine Räume nicht dringend bräuchte, würde ich abwarten bis ich einen Pass habe und in dieser Zeit überhaupt nichts mehr unternehmen. Denn dieser ewige Kampf ist nervenzerrüttend und ich habe bereits den von Prof. Bingold durch zu vieles Arbeiten vorausgesagten Rückfall, sodass ich mich derzeit nicht sehr wohl fühle.

Der einzige Lichtblick in dieser Woche ist Ihre nette Geschichte von Dr. Garbari, die mir wirklich Freude bereitet hat: nebenbei bemerkt könnte sie auch Dr. Zigrio gewesen sein. Gestern hatte ich Besuch von Greve/Cembalist frü[h]er Jena, der seinerseits von Tanckart seit dessen Berufung nach Graz auch keinen Bescheid mehr hat.

Ich würde so gerne mal wieder zu Ihnen kommen, aber ich scheue die anstrengende Reise und kann auch derzeit schlecht weg, weil ich mit dem beabsichtigten Bauen sehr viele Laufereien habe. Aber vielleicht treffen wir uns doch gelegentlich. Hoffen wir, dass die Überprüfung des Lehrkörpers endlich einmal die letzte und dann Ruhe in die Universität kommt, damit auch wirklich einmal nicht nur Politik getrieben, sondern praktisch gearbeitet werden kann.

Ob wir in diesem neuen Semester noch dazu kommen werden auf historischen Instrumenten Vorführungen machen zu können, erscheint mir vorerst noch ungeklärt. Seit einiger Zeit stellt die Fahrbereitschaft keine Autos und so kann ich die sehr erwünschte Räumung von Volsbach und Kohlstein nicht durchführen. Hoffen wir weiter das Beste.

Ich hatte heute wieder eine halbe schlaflose Nacht und mich entschlossen in den nächsten Tagen mit Prof. Brenner in der Sache zu konferieren, ob er mir nicht als Stadtrat helfen kann. Ich kann unmöglich 3 Herren dienen; Bauen, Geschäft, Sammlung. Das Geschäft ist die leider sehr schmal gewordenen finanzielle Basis. Das Bauen soll diese Basis stützen. Hätte ich beim Bauen mehr Hilfe von der Stadt, könnte ich mir vielleicht zeitraubende Gänge ersparen und bräuchte doch für die Sammlungsangelegenheit mehr Freizeit und könnte damit Ihnen und der Universität weiter helfen. In diesem Sinne will ich mit Prof. Brenner sprechen.

Eine Firma Theodor Benzinger, Lichtbildanstalt, Tübingen, schreibt mir Folgendes: sie stellt für den Evang. Presseverband eine Lichtbildreihe über J.S. Bach her und benötigt hiefür Fotos alter Musikinstrumente aus meiner Sammlung, diese Fotos sind in Ihrer Bach-Biographie veröffentlicht, jedoch b[rä]uchte die Firma gute Lichtbilder - die ich nicht habe, weil alles verbrannt ist! Ich müsste ähnliche Aufnahmen zur Verfügung stellen, möchte aber erst Ihre freundliche umgehende Meinung über den Fall hören, insbesondere ob diese Sache mit Ihrem Vortrag zusammenhängt. Ich schrieb an Benzinger It. Durchschlag und bitte um Ihre Rückäusserung. Könnte man nicht ähnliche Fotos zur Verfügung stellen, von denen noch etwas vorhanden ist und welche Typen wären erforderlich? Ich kann nichts mehr feststellen, da mein Exemplar Ihrer Bach-Biographie verbrannt ist.

Inzwischen grüsse ich Sie und Familie herzlichest als // Ihr // Dr. Rück

Einlage."

Absender/Urheber Person
Empfänger Person
Datum
1946,10,24
Schreibort
Nürnberg